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Anandas Anfang:
Gott ist unser Aktienpaket und unsere Wertpapiere

Auszug aus einer Rede von Swami Kriyananda während der Feiern anläßlich Anandas 30. Geburtstag im Juni 1998.

Der Traum eine Community aufzubauen

Im Gedanken an Anandas 30. Geburtstag begann ich mich rückzuerinnern, wie es ist, eine Gemeinschaft zu gründen. Denn schließlich bin ich der Typ, der es getan hat, – ich bin sozusagen „der Schuldige”. Seit meiner Kindheit hatte ich den Wunsch, eine bessere Lebensform zu schaffen, aber meine Gedanken wurden bewußter, als ich 15 Jahre alt war. Das war im Jahr 1941: Der Krieg hatte begonnen und brachte mich dazu, mir Gedanken über Weltfrieden und die Zukunft der Menschheit zu machen. Ich suchte nach einem Frieden, der nicht nach einem Sieg über den Feind kommt, sondern eine Alternative für die Menschheit darstellt.

Anfangs hatte auch ich den Gedanken, mich vom menschlichen Schauplatz zurückzuziehen, den ich als im Grunde unvollkommen empfand. Es schien mir, als müßte die Menschheit zu einem mehr ursprünglichen Element zurückkehren. Ich wußte, daß nicht jeder dazu in der Lage sein würde. Aber diejenigen, die bereit wären, in Harmonie mit anderen zu leben, könnten eine lebensfähige Alternative gründen, voller Liebe, Vergebung und Frieden. Das hört sich an wie der Traum eines Heranwachsenden, aber es enthielt doch die Elemente, die später zum Tragen kommen sollten.

So begeisterte ich also im Alter von 15 Jahren alle meine Freunde dafür, mit mir eine Gemeinschaft zu gründen. Ihre Begeisterung hielt nur so lange an, bis sie merkten, wie ernst es mir damit war; zu diesem Zeitpunkt wandten sie sich dann anderem zu. Ich dachte mir: „Das muß ich noch einmal durchdenken.” Während ich älter wurde, andere Gemeinschaften studierte und Bücher las, erkannte ich allmählich, daß wir im Gegensatz zu dem Gefühl von Größe, das die Gesellschaft dominiert, die Kleinheit brauchen. Das Gefühl des individuellen Wertes ging verloren. Hätten wir kleinere Dörfer, in denen sich die Leute kennen und sich gegenseitig helfen können, könnten wir die Dinge wieder zum Funktionieren bringen.

Später im College verbrachte ich einen Großteil meiner Zeit mit einer tiefen inneren Suche nach Wahrheit, nur wußte ich nicht, wo ich suchen sollte. Langer Rede kurzer Sinn: Ich kam zu Yogananda. Zum ersten Mal in meinem Leben wußte ich, daß ich das gefunden hatte, wonach ich suchte. Die ersten Worte, die ich zu ihm sagte, waren: „Ich möchte dein Schüler sein.”

Die Verwirklichung von Yogananda's Vision

Was mich unter anderem begeisterte, war die Tatsache, daß auch Meister sehr daran interessiert war, Gemeinschaften zu gründen. Ich erinnere mich an die Rede, die er auf einer Gartenparty in Beverly Hills über Welt-Bruderschafts-Gemeinschaften hielt. Seine Stimme donnerte: „Ich säe meine Gedanken in den Äther! Diese Schwingungen werden nicht sterben!” Ich gelobte an diesem Tag, alles in dieser Inkarnation in meiner Macht Stehende zu tun, um diesen Traum zu erfüllen. Als es dann in den sechziger Jahren möglich erschien, stand daher eine Menge Energie hinter meiner Bemühung, eine Gemeinschaft zu gründen.

Ich lebte in San Franzisko, hielt Kurse in der Bay Area (nahe San Franzisko, Anm.d.Übers.) und sparte Geld mit dem Gedanken, Land davon zu kaufen. Unter Meisters Führung fand ich das Grundstück, das heute das Seclusion Retreat ist. Wahrscheinlich habt ihr die Geschichten schon gehört, wie ich versuchte, einen geodesischen Dom zu bauen, und dieser dreimal hintereinander zusammenbrach. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich so ziemlich alles alleine machen müssen, da nur sehr wenige an diese Idee glaubten. Aber schließlich wurde mir klar, daß ich für die Arbeiten einen qualifizierten Zimmermann brauchte.

Ich begann, mit Leuten über die Gründung einer Gemeinschaft zu sprechen. Ich erinnere mich noch an ein Treffen in San Franzisko, wo ich versuchte, die Leute zu interessieren. Jyotish war damals da und hatte bereits begonnen, mir zu helfen. In der Tat war er bei all den Arbeiten, die ich in diese Richtung unternommen hatte, meine rechte Hand. Auf diesem Treffen begannen die Leute zu sagen, daß diese Idee unmöglich funktionieren könnte. Ein Mann war so aus der Fassung, daß er zitterte als er sagte, daß er jemanden kenne, der eine Gemeinschaft gegründet hatte und dann zu „einem Monster” geworden sei!

Ich dachte: „Sie verstehen nicht, worum es mir geht. Ich muß es daher in einem Buch erklären.” Darauf schrieb ich dann „Kooperative Gemeinschaften - Wie man sie gründet und warum” Ich ging im April 1968 zum Seclusion Retreat und schrieb es in einer Woche, wobei ich mich auf Notizen bezog, die ich mir im Verlauf der Jahre gemacht hatte. Dieses Buch begann ein paar Leute anzuziehen. Mit ihnen kam ein Zimmermann und andere, die halfen, weitere Gebäude zu bauen.

Mein Vater hatte mir einige Aktien gegeben. Mit ihnen und mit den Ersparnissen von den Kursen hatte ich 16.000 Dollar. Ich glaubte, daß das ausreichen würde für die Gebäude. Aber nach eineinhalb Monaten war das Geld zu Ende. Der Zimmermann verließ die Baustelle - er hatte nicht vor, hinter diesem „Träumer” zu stehen, der hoffte, ohne Geld eine Gemeinschaft aufzubauen.

Zum Glück gab es einen älteren, pensionierten Zimmermann und ein paar andere, die bereit waren, dazubleiben. So bauten wir weiter. Ich mußte wieder zurück und Geld verdienen und so lebte ich in der Stadt, gab jeden Abend in einer anderen Stadt Kurse, und kam am Wochenende auf Besuch. Da ich mehr Geld brauchte sandte mir die Göttliche Mutter mehr Schüler - ca. 300 Schüler die Woche.

Herausforderungen

Eines Tages verhängte die örtliche Holzfirma, bei der wir alle Materialien gekauft hatten, ein Pfändungsrecht über unser Grundstück und verlangte, daß ich alle Schulden sofort zurückbezahlen solle, und nicht gemäß der getroffenen Vereinbarung. Ich rief sie an und sagte: „Ich bin meiner Zusage nachgekommen und habe jeden Monat, wie vereinbart, 500 Dollar gezahlt.” Der Manager antwortete: „Man muß praktisch denken in dieser Welt.“ Gemeint war wohl „habgierig“.

Seva nahm zu diesem Zeitpunkt an einem meiner Kurse teil und hörte von meinem Problem. Sie lieh mir 2000 Dollar, was mir sehr half. Sie war eine der Unentwegten beim Aufbau von Ananda- nicht nur durch ihre finanzielle Unterstützung, sondern in vielen anderen Dingen, mit denen sie half, alles in Gang zu setzen. Sie und Jyotish waren wirklich die Hauptstützen in meinem Projekt.

Ich rief also die Holzfirma wieder an (mittlerweile hatte ich dazugelernt) und sagte: „Ich habe inzwischen das Geld, aber habe mich entschieden, es erst im letzten Moment zu zahlen, wenn ihnen bereits die Anwaltskosten entstanden sind.“ Der Manager sagte: „Wenn Sie jetzt zahlen, geben wir Ihnen einen großen Nachlaß.“ Er hatte eine Grube für mich gegraben, und war aber selbst hineingefallen.

Mit der Zeit gelang es mir, diese Schulden abzuzahlen und das Retreat zu eröffnen. Die Nachricht begann sich zu verbreiten, daß es Ananda gibt. Und zu einem Zeitpunkt kamen an einem Tag bis zu sieben Autos voller Menschen an, um sich dieser neuen Gemeinschaft oder „Kommune“, wie manche dachten, anzuschließen. Familien kamen und wir kauften schließlich das Land für Ananda Village dazu.

Die Schwierigkeit, die sich am Anfang stellte, war, daß die meisten der Leute, die kamen, mich nicht kannten und nicht einmal von Yogananda wußten. Sie waren an der Gemeinschaft interessiert, aber nur wenige wollten Meisters Vision, für die ich so viele Jahre gearbeitet hatte, in die Tat umsetzen. Jeder hatte seine eigenen Ideen, wie eine Gemeinschaft sein sollte, und es wurde eine Menge Druck auf mich ausgeübt, andere Richtungen einzuschlagen.

Ich wollte die Gemeinschaft auf eine Weise entwickeln, daß jeder dahinterstehen konnte, und das erfordert Geduld. Ich mußte die Leute zu meiner Idee gewinnen und sie ihnen nicht auferlegen. Es hätte alles ruiniert, wenn ich gesagt hätte: „So wird’s gemacht.“ Und trotzdem brauchte ich nur eine Idee vorzuschlagen, um von einigen heftigen Widerstand zu ernten.

Wir mußten eine monatliche Hypothek von 1.700 Dollar pro Monat zahlen, was damals im Jahre 1969 eine größere Summe war. In diesem Winter lebte ich in Sacramento (ca. 1.5 Stunden entfernt Anm.d.Übers.), gab Kurse und kam an den Wochenenden. Ich erinnere mich daran, wie ich eine Gruppe zusammenrief und sagte: „Wir müssen alle Geld verdienen, um für diese Gemeinschaft zu zahlen.“ Ihr Gedanke war, daß Gott dafür sorgen würde, und daß es Materialismus sei, an Geld zu denken. In der Tat sahen sie meine Bereitschaft, Kurse zu geben um die Hypothek abzuzahlen, als eine Rechtfertigung ihres göttlichen Vertrauens! Sie waren empört, daß ich ihnen etwas so „Erniedrigendes“ wie Geldverdienen zum Abzahlen der Hypothek vorgeschlagen hatte.

Ich sagte zu ihnen: „Ich werde nur noch bis zum ersten Juni 1970 außerhalb Kurse geben. Danach ziehe ich hierher nach Ananda und wenn die Hypothek bis dahin nicht abgezahlt ist, müssen wir uns eben den Konsequenzen stellen. Glücklicherweise hatten genügend Leute die richtige Einstellung, begannen ihren Beitrag zu leisten, und die finanzielle Situation stabilisierte sich.

Am 31. Mai zog ich nach Ananda und am 4. Juli brannte der Tempel nieder. Ja, wir hatten ein paar Probleme, aber ich dachte immer: „Warum über die schweren Zeiten reden? Warum nicht nach den Möglichkeiten Ausschau halten?“ Am Tag des Feuers ging ich in einen Laden in der Nähe und sang dabei. Die Inhaberin sagte: „Du singst ja!“ „Ja“, sagte ich, „ich habe einen Tempel verloren, aber ich habe nicht meine Stimme verloren!“ Natürlich war der Verlust aufgrund dieses Feuer nichts im Vergleich zu dem großen Waldbrand 1976, bei dem die ganze Gemeinschaft niederbrannte.

Über die Jahre erfuhren wir Opposition und Herausforderungen gegenüber einer Sache, die im Grunde etwas Gutes ist. Aber nicht jedermanns Definition einer guten Sache ist gleich. Wir mußten Ananda an einen Punkt der Selbstdefinition bringen, an dem wir sagen konnten: „Das ist es, was wir sind.“ Wenn jetzt neue Leute kommen, müssen wir nicht von Anfang an beginnen: Entweder machen sie bei Ananda mit, wie es ist, oder sie gehen und starten ihre eigene Gemeinschaft.

Kürzlich sagte jemand zu mir: „Für Sie war es leicht, eine Gemeinschaft zu starten, aber heutzutage ist das sehr schwierig!“ Nein, es war nicht gerade einfach, aber es war eine Freude. Würde ich es wieder tun, nachdem ich all die Probleme kenne, die wir hatten? Ja, das würde ich.

Meister sagte: „Gott ist euer Aktienpaket und eure Wertpapiere.“ Gott ist unsere Stärke. Der Geist, der Ananda aufgebaut hat, wird weitergehen. Der Geist, den Meister in mich geprägt hat, und durch mich in euch alle, wird dazu beitragen, eine neue und bessere Welt zu schaffen. Wenn wir Gott dienen können, die Freude haben, für Ihn zu leben und Ihn mit anderen zu teilen, welche größere Erfüllung kann es geben?


 
  
 
  

 

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Ananda liegt in der beschaulichen umbrischen Hügellandschaft, an der Strada Statale 444 zwischen Assisi und Gualdo Tadino. Es ist in Europa das größte Retreat-Zentrum für die Lehren Yoganandas.

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