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Mystisches Christentum

Von einem Vortrag von Swami Kriyananda
in Ananda Italien Ostern 2000

Die richtige Einstellung

Wir leben heute in einer Zeit, die sich sehr auf die Psychologie stützt. Viele Menschen gehen heute zum Psychologen, und viele glauben, ihre Probleme oberflächlich, allein mit ihrem Verstand, lösen zu können. Mit einer guten Einstellung kannst du eine Niederlage, einen Schmerz oder einen Test überwinden. Ja – du kannst dich ändern, aber das ist bei weitem nicht alles. Der Nachteil dieser Vorgehensweise ist der Gedanke, dass ich all diese Arbeit leisten muss. Natürlich müssen wir unser Bestes geben, aber dann gibt es immer noch die Gnade Gottes. Es ist weitaus besser, nicht nur zu sagen: "Ich will eine gute Einstellung haben und behalten", sondern: "Diese Einstellung gebe ich Dir." Anstatt zu beten: "Wann kommst Du zu mir, wann kommst Du nur, oh Herr", bete lieber: "Ich gebe mich Dir hin, ich bin Dein". Was du gibst, wirst du empfangen; was du hingegen erbittest, wirst du nicht in grossen Mengen empfangen, und auch nicht so schnell. Wenn du leidest, dann versuche, Gott umso mehr zu geben. In der Bhagavad Gita ist eine schöne Stelle, in der Gott sagt: "Wenn du in allem, was du tust, um mich zu finden, versagst, dann bring mir dein Versagen." Wenn wir sogar dies darbringen, dann sehen wir, dass es kein Versagen mehr gibt.

Ich bin immer bei euch

Jesus sagte am Ende seines Lebens: "Ich bin immer bei euch", und das ist er auch. Dieses "Ich", von dem er sprach, ist ein Symbol. Als Maria Magdalena ihn im Garten sah, sagte er zu ihr: "Berühre mich nicht, denn ich bin noch nicht auferstanden." Was wollte er damit sagen? Es war ein Symbol. In allen göttlichen Geschichten finden wir Symbole. In diesem Fall handelte es davon, dass er, wie alle Seelen, drei Ebenen überwinden musste, bevor er in die vollkommene Freiheit in Gott gelangen konnte.

Wir sind von vielen Schleiern umgeben, von denen der Grossteil auf der materiellen Ebene ist. Wir müssen uns von diesen Schleiern, die unseren Geist umhüllen, befreien: Die Gedanken von "Ich"; all die Dinge, die wir begehren; die Wünsche; das Bewusstsein, dass wir jemanden verletzt haben. All dies umgibt uns wie ein Kokon, aus dem wir uns nach und nach befreien müssen. Dies jedoch aus eigenen Kräften zu erreichen, ist schlichtweg unmöglich – niemand kann das alleine schaffen.

Yogananda erklärte es so: Nur 25% des Pfades sind deine eigenen Bemühungen, 25% sind die Bemühungen deines Gurus für dich, und 50% kommen durch die Gnade Gottes. Alle drei sind wesentliche Bestandteile, um zu Ihm zu gelangen. Viel kannst du nicht tun, aber dieses Wenige, das du tun kannst, erfordert viel Willenskraft von dir. Denke jedoch nie, dass Gott schon alles richten wird. Wenn du dir das Beispiel von Heiligen betrachtest, dann siehst du vor allem ein Vorbild heldenhafter Liebe und Willenskraft. Du musst wirklich alles geben, aber letztendlich wird es wenig sein, gemessen an dem, was du erreichen musst. Wenn du mit aller Kraft versuchst, eine schwierige Situation zu überwinden, kannst auch du eine Auferstehung erleben – natürlich nicht eine Auferstehung wie die von Jesus. Du fühlst dich besser, fühlst dich Gott näher, und freudiger, aber da gibt es noch etwas anderes, was du nicht tun kannst.

Jesus zeigte das mit seiner Auferstehung. Es war die Gnade Gottes, die durch Jesus Leben auf die Erde herabgekommen war, ganz besonders durch seine Auferstehung. Yogananda sang oft ein wunderschönes Lied an die Göttliche Mutter, in dem sie sagt: "Mein Kind, bitte mich um Erlösung, aber nicht um meine Liebe, denn wenn ich dir diese gebe, dann bin ich arm." Das bedeutet: "Bitte um meine Liebe, denn die Liebe Gottes ist alles!"

Die Astralwelt

Es gibt verschiedene Ebenen der Erlösung. Eine kommt mit der Befreiung von dem Zwang, in einen menschlichen Körper zurückkehren zu müssen. Du lebst in der Astralwelt und brauchst nicht mehr in einen Körper zurückzukommen. Dies ist ein seliger Zustand, denn in den höheren Himmeln herrscht unglaubliche Schönheit. Dort bist du umgeben von Engeln und von anderen befreiten Seelen. Du musst keinen üblen, gemeinen oder egoistischen Menschen mehr begegnen. Zuerst gehen die Devotees nach dem Tod in diese Regionen, aber sie sind in der Regel nicht frei genug, um sich dort spirituell weiterentwickeln zu können. Es fehlt ihnen die Möglichkeit zu weiterem Wachstum, da alles dort viel zu schön ist. Es fehlt der Antrieb. In der hiesigen Welt hast du sehr wohl diesen Antrieb. Du siehst Übeltaten und Gemeinheiten und denkst: "Das will ich nicht!" Du hast den Anreiz, ein besseres Leben zu suchen. Im Himmel denkst du, dass du es bereits gefunden hast, und lässt etwas locker. Nach und nach jedoch beginnen die Wünsche in deinem Unterbewusstsein an die Oberfläche zu kommen, und du denkst: "Ach, wie schön war es doch, eine Frau zu haben, und Kinder, und einen Körper, mit dem man so viel unternehmen kann." Du wirst ein bisschen traurig und gehst schliesslich zurück zur Erde, um diese Geschichte abzuschliessen. Es sind nicht etwa die Eltern, die das Neugeborene auswählen oder einladen. Eine mir bekannte Mutter schimpfte einmal mit ihrem kleinen Sohn. Dieser war zutiefst beleidigt, weinte und sagte dann: "Und du warst noch nicht einmal meine erste Wahl!" Sie fragte ihn später: "Wer war denn deine erste Wahl?", und er antwortete: "Eine Mama in den Philippinen." So kehren wir immer wieder zurück, bis wir schliesslich all dieses Karma, dass uns nach unten zieht, aufgelöst haben. Der menschliche Geist kann sich kaum eine Ewigkeit im Himmel vorstellen. Stell dir einmal vor: Millionen, Milliarden von Jahren, immer in demselben Garten, immerzu in diesem "wunderbaren" Ego, in diesem Körper, wenn auch in seiner astralen Form. Ich kann mir keine bessere Definition der Hölle vorstellen! Es wäre garantiert eine Hölle, immer gebunden und eingekerkert in seinem Ego zu sein.

Jenseits der Astralwelt liegt die Kausalwelt – sie ist die Ursache von allem, eine Welt der Ideen. Der Körper existiert dort kaum mehr und es gibt kein Ego mehr. Du bist dort fast wie Gott, mit unglaublicher Macht, mit nur noch einer kleinen Begrenzung von Wünschen. Wesen auf dieser Ebene bringen Universen hervor, viele davon genauso gross wie unseres. Das mag unvorstellbar erscheinen, aber du bist in Wirklichkeit nicht was du denkst – du bist weitaus mehr.

Das Beispiel von Jesus

Jesus ist nicht nur zurückgekehrt, um uns zu sagen, dass er uns liebt. Er kam, um uns zeigen, dass auch wir dorthin gelangen können, von wo er kam. Wie oft hat er zukünftige Dinge gesehen und gesagt: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Er sagte "bin", weil er nicht an die Zukunft dachte – alles ist Gegenwart. Alles, was vor Tausenden von Jahren geschah, und was in Tausenden von Jahren geschehen wird – all das passiert jetzt, in der ewigen Gegenwart. Aus diesem Grund sagte er nicht "werde ich sein", sondern "bin ich". Auf der ganzen Welt feiern die Christen jeden Sonntag unzählige Gottesdienste. Selbst in Indien werden christliche Anlässe gefeiert, weil sie Gott in allen Religionen manifestiert sehen. Wie aber kann Jesus gleichzeitig in all diesen Kirchen sein? Er sprach nicht von seinem Körper. Der Körper war nur eine Manifestation von ihm. Er war bereits allgegenwärtig. Unser Geist kann sich diesen Zustand noch nicht einmal vorstellen, da dieser unserem Zustand in keinster Weise entspricht. Wir sind noch nicht einmal in unserem eigenen Körper allgegenwärtig. Allgegenwart im Körper würde bedeuten, in jedem Atom des Körpers zentriert zu sein – du würdest dich in jedem Atom wahrnehmen. Das ist ein Zustand, den wir einfach nicht begreifen können. Wir sind im Ego zentriert, das winzig klein ist, so wie ein Atom. Sobald du dich jedoch davon befreist, erkennst du, dass jedes Atom dein Zentrum ist. Yogananda sagte, dass die Wahrnehmung Gottes "Zentrum überall, Zirkumferenz nirgends" ist. Dieser Zustand erwartet dich. Denke nicht, du brauchst nur die richtige Einstellung zu haben, damit Gott dich segnet. Es ist hilfreich, aus dem Blickwinkel des Unendlichen zu betrachten, wer wir sind: Wir sind aus der Unendlichkeit hervorgegangen und müssen zu dieser Ebene zurückkehren.

Christliche Symbole

Am Anfang und am Ende von Jesus Leben sehen wir zwei zutiefst inspirierende Symbole: Auf der einen Seite die Kreuzigung und die Auferstehung, und auf der anderen den Stern. Die drei Heiligen, die in Wirklichkeit Meister waren, waren in der Lage zu sehen, dass Jesus in einem Körper geboren war; das unendliche Christusbewusstsein war auf die Erde gekommen. Wenn du das spirituelle Auge wahrnimmst, siehst du in dessen Zentrum einen Stern, der das kosmische Bewusstsein darstellt. Wenn man diesen Stern auf einem Menschen ruhen sieht, bedeutet das, dass dieser Stern in ihm geboren wurde. Jesus ist somit als Inkarnation Gottes gekommen, nicht nur als Heiliger, sondern als viel mehr: Gott hat sich durch das Bewusstsein Jesu auf der Erde inkarniert. Jesus war jedoch nicht einzigartig: Gott tut dasselbe durch jeden Meister, der die Befreiung erlangt hat und mit dieser zur Erde zurückkehrt. Es wäre eine Schande, wenn wir dies nicht auch erlangen könnten. Er sagte auch in der Offenbarung: "Ich bin draussen und klopfe an. Derjenige, der mir die Tür öffnet und mich einlässt, mit dem werde ich mich niedersetzen und speisen." In diesen Worten liegt viel Wahrheit, die versteckt ist, da die Menschen noch nicht für diese Erkenntnis bereit waren. Wir müssen genau das tun, was er getan hat, damit wir zu dem werden, was er war, und was er jetzt ist. Das ist es, was er hauptsächlich von uns will, und das können wir nicht mit psychologischen Mitteln erreichen. Das ist unmöglich. Mit diesen Methoden magst du ein Problem im Leben lösen, vielleicht einen Schmerz, den dir jemand verursacht hat, oder den du jemandem zugefügt hast. Du kannst in diesem Haus ein Zimmer verlassen und dich dabei befreit fühlen, aber letztendlich war es nur eines der vielen Zimmer. Du bist weiterhin im Haus des Ego eingekerkert und das ist nicht Freiheit. Sie kann nicht mit psychologischen Methoden erreicht werden, sondern einzig und allein durch die Gnade Gottes und des Gurus.

Die Auferstehung von Christus in unseren Herzen

Aus diesem Grund kamen Jesus, die anderen Meister und auch Yogananda: Um uns die Kraft zu verleihen, emporzusteigen. Wenn ihr betet, dann betet nicht, "Hilf mir!", sondern vielmehr: "Ich komme von Dir, ich will nur Dich, ich bringe mich Dir dar!" Versuche, grosszügig zu sein, nicht egoistisch. Die Auferstehung ist ein gutes Symbol für viele Ebenen der Wahrheit. Je mehr wir in jedem Moment unseres Lebens in dieser Realität leben, desto mehr sehen wir, dass Er tatsächlich in unserem Herzen aufersteht, und du erlebst immer mehr deine eigene Auferstehung in Ihm.


 
  
 
  

 

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