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Wo Dharma herrscht,
dort ist Sieg

Auszüge aus der Neujahrsrede von Swami Kriyananda
Ananda Italien, den 1. Januar 1998, Dwapara Yoga 298

Ananda's Prinzip

Ich wünsche Euch allen ein frohes Neues Jahr. Das Worte „froh“ hat allerdings verschiedene Definitionen. Ich glaube nicht, daß es ein leichtes Jahr wird, ganz im Gegenteil wird es wohl eher schwierig, sowohl für die Welt als auch vielleicht für jeden Einzelnen. Trotz allem können wir von einem frohen neuen Jahr sprechen, da es einen Weg gibt, allen Hürden zu begegnen und die Schwierigkeiten des Lebens zu meistern. Es gibt ein indisches Sprichwort, das wir für Ananda als fundamentales Prinzip übernommen haben:„Wo Dharma ist oder richtiges Handeln,...“ – d.h. in Einheit mit der Wahrheit und den spirituellen Idealen, „dort ist Sieg“. Wenn wir diese Prinzipien im Leben voranstellen, wird alles seinen richtigen Lauf nehmen und sich positiv entwickeln. So steht auch in der Bhagavad Gita: „Oh Arjuna, wisse mit Sicherheit, daß mein Devotee, niemals verloren ist”.

Dazu fällt mir ein, wie Yogananda in einer schwierigen finanziellen Situation war, als seine Organisation finanziell vor dem Ruin zu stehen schien (in dieser Welt zu leben bedeutet Prüfungen zu bestehen: die Meister leben nicht in einer anderen Welt, auch sie müssen sich diesen Prüfungen stellen). Yogananda betete zur Göttlichen Mutter, die ihm antwortete: „ich bin deine Investments und deine Sicherheiten: was willst du noch mehr, wenn du mich hast? Der Tanz des Lebens, der Tanz des Todes: wisse, daß sie alle von mir kommen und lebe deshalb in Freude.“

Das Leben ist aus polaren Gegensätzen geschaffen

Wir müssen erkennen, daß Freude nicht etwas ist, das kommt, wenn alles gut ausgeht, wie am Ende eines Hollywood Films . Das Leben ist nicht so. Der Sieg von heute ist der Verlust von morgen; anders kann es gar nicht sein. So wie Satya Sai Baba sagt: „Die Freude ist ein Intervall zwischen zwei Schmerzen und der Schmerz Intervall wischen zwei Freuden“. Das Leben ist aus polaren Gegensätzen geschaffen. Wenn wir im Leben etwas erfahren, müssen wir auch das Gegenteil erfahren. In der Mitte befindet sich jedoch eine Freude, die keinen Gegensatz hat. Göttliche Freude verändert sich nicht und kann nicht verloren gehen.

Ich erinnere mich daran, wie ich aus der SRF ausgewiesen wurde. Das war eine Tragödie für mich und ich glaube nicht, daß ich je so etwas Schlimmes erlebt habe. Während dieser Zeit hielt ich einige Vorträge, an deren Ende Zuhörer zu mir sagten: „Wir haben solch eine Freude in dir gefühlt!“. Und ich dachte: „Freude? Das ist unmöglich!“ Doch dann verstand ich, daß mir die Freude nie verloren gegangen war. Wie ein unterirdischer Fluß, war sie unter meinem Leid geblieben.

Und auch in eurem Leben: wenn ihr meditiert und in der Gegenwart Gottes lebt, werdet ihr eine Freude erfahren,die durch nichts gemindert wird. Ich erinnere mich an eine Schülerin Yoganandas, die für eine lange Serie von Operationen im Krankenhaus war. In der Narkose sagte sie zu den Operateuren: „Legen Sie los, schneiden Sie es heraus. Nehmen Sie es weg, es ist nicht wichtig, nehmen Sie alles weg.“ Wenn wir in dem Bewußtsein leben: „Nichts ist wichtig: Ich bin ein Kind Gottes“ und dann alles verlieren, dann wird uns das nicht so viel ausmachen. Wenn ihr auf diese Weise leben könnt, werdet ihr sehen, daß nichts, was euch geschieht, wirklich wichtig ist, da ihr alles, wonach ihr wirklich im Leben sucht, bereits habt: Freude.

Am Ende unseres Lebens müssen wir uns unserem letzten Examen stellen und wenn wir es bestehen, gehen wir in Freiheit. Jeder Tag ist ein guter Tag für den Gedanken: „Vielleicht bin ich morgen schon nicht mehr hier.“ Befreit daher euer Herz von allen Verhaftungen. Es ist eine gute Praxis, sich ein Feuer vorzustellen und zu visualisieren, wie man jede Verhaftung seines Herzens in dieses Feuer wirft und mit Freude beobachtet, wie sie verbrennt. Menschen, die ihr Haus, ihre Freunde oder ihr Geld verlieren, beklagen sich oft: „Warum muß das mir geschehen?“

sollte man nicht eher sagen: „Gott, es ist Dein, nicht mein; nimm daher alles.“ Ihr werdet sehen, daß Gott euch mit dieser Einstellung noch viel mehr geben wird. Wie Jesus sagte: „Denen, die alles um Meinetwillen verlassen, denen will Ich hundertfach geben.“

Und so ist es! Gott hat vieles, das Er uns geben will, aber wir nehmen es nicht an, weil wir etwas anderes wollen. Und da Er viel Humor hat, läßt Er uns denken, daß es schrecklich ist, wenn wir das Erwünschte nicht erhalten. Stattdessen gibt er uns das eine, das wir absolut nicht wollen. Mit der Zeit sehen wir aber, daß dies für unser Glück das einzig richtige war.

Das Gesetz des Karma

Wenn ihr einen Wunsch habt, setzt ihr Karma in Bewegung. Dann habt ihr einen anderen Wunsch und Veruehrt euer Karma. Auf diese Weise werden gegensätzliche Strömungen vom Ego geschaffen, die gegeneinander kämpfen.

Wenn ihr wegen etwas in eurem Leben leidet, beginnt ihr vielleicht zu denken: „Ich habe nie etwas getan, das solchen Schmerz verdient.“ Aber ja, ihr habt diesen Schmerz selbst verursacht, wenn nicht in diesem Leben, dann in einem anderen. Das Karma, das ihr geschaffen habt, wird früher oder später zurückkommen. Aber wenn ihr wirklich in der Lage seid, eure Wünsche loszulassen und euch vollständig Gott hinzugeben, indem ihr euch Seinem Willen öffnet, werdet ihr sofort verstehen, warum diese Dinge geschehen. Wenn ihr in Ihm lebt, werdet ihr sehen, wie euer Leben wie ein wunderschönes Lied wird, in dem verschiedene Stimmen die Harmonien singen. Aber wenn ihr euch nicht bemüht, im Einklang mit Gottes Willen zu sein, wird euer Leben voller Verwirrung sein.

Ich möchte aber nicht, daß ihr Angst habt, denn Gott regiert über allem. Jemand, der sehr über die Weltsituation besorgt war, ging einmal zu der Heiligen Ananda Moyi Ma. Sie sagte zu ihm: „Er hat diese Welt geschaffen. Glaubst du nicht, daß Er auch mit ihr umgehen kann?“ Vertraut auf Ihn. Wenn ihr Ihn liebt, wenn ihr für Ihn lebt, wenn ihr Ihm alles gebt, wird alles, was geschieht, zu eurem Besten sein. Gott wird euch immer Prüfungen geben, denn wie kann Er sonst wissen, ob eure Liebe und Hingabe wahr und Seiner wert sind? Wenn ihr in dieser inneren Einstellung leben könnt, werdet ihr sehen, daß alles zu eurem Besten geschieht.

Verändere Dein Leben

Ich finde, am Neujahrstag in Ananda zu sein, ist eine wunderbare Gelegenheit, euer Leben auf die beste Weise zu verändern. Hier könnt ihr meditieren und still sein. Das bringt euch größere Klarheit und erleichtert es, euer Leben zu ändern, zumindest einen Aspekt davon. Ich möchte euch vorschlagen, während eures Aufenthalts tief über euer Leben nachzudenken. Wir alle haben bestimmte Dinge, die wir gern in uns oder in unseren Leben verändern würden. Der weise Mensch weiß, daß er mit sich beginnen muß; der Tor denkt, daß alles durch die Fehler der anderen kam.

Denkt daher darüber nach, wie ihr euch ändern könnt. Es geschieht häufig, daß der Wandel, den wir uns wünschen, nicht in unserem besten Interesse ist. Bringt Gott jeden Gedanken darüber dar und bittet Ihn, eure Gedanken zu leiten, damit ihr in Einklang mit Seinem Willen handelt. Was Er für euch will, dient eurem wahren, nicht einem illusorischen Besten. Ihr werdet sehen, daß euch in dieser inneren Beziehung Gedan-ken kommen, wie ihr euch verändern sollt.

Oft gibt es Qualitäten, die wir verändern möchten, die aber einfach zu stark sind. Ein weiser General versucht, die Schlachten zu gewinnen, von denen er weiß, daß er sie gewinnen kann. Schritt für Schritt erlangt er die Stärke, um schließlich die Endschlacht im Herzen der feindlichen Stellungen zu wagen. Auf dieselbe Weise müssen auch wir selektiv sein. Ihr müßt entscheiden, welche Schlachten ihr gewinnen könnt oder zumindest die Hoffnung darauf habt. Mit jedem Sieg werdet ihr an innerer Kraft zunehmen, bis ihr euch schließlich euren großen Fehlern stellen könnt, die vielleicht jetzt noch unbesiegbar scheinen.

Versucht euch nicht an Prüfungen, die für euren jetzigen Bewußtseinsstand unmöglich sind. Wählt unter euren Fehlern den einen, dem ihr euch jetzt stellen könnt und denkt nicht: „Ach es sind so viele, da kommt es nicht so drauf an.“ Noch solltet ihr sagen: „Ich bin halt auch nur ein Mensch.“ Ihr solltet eher denken: „Ich bin noch nicht ein Mensch.“, da ihr erst dann ein vollkommenes menschliches Wesen sei, wenn ihr alle Schwächen des menschlichen Lebens überwunden habt. Ein wahres menschliches Wesen hat alle Potentiale seines Lebens verwirklicht, und das bedeutet: Gott in euch zu verwirklichen.

Früher oder später kann jeder Fehler überwunden werden, da einem jeden von uns bestimmt ist, eins mit Gott Zu werden. Wir sind nicht schwach, wir sind noch nicht einmal Menschen: Wir sind Engel, wir sind Lichtpunkte und, da wir Kinder des Unendlichen Gottes sind, müssen wir verstehen, daß eines Tages auch wir vollkommene Freiheit erlangen werden und daß auch wir ein unendliches Potential in unseren Seelen tragen.

Um uns diesem Prozeß zu stellen, sind zwei Dinge notwendig: Willens-kraft und Konzentration. Man braucht eine Menge Willenskraft, aber einen Willen, der konzentriert ist und nicht in viele verschiedene Richtungen verstreut.

Und so seht ihr, daß das Neue Jahr kein schwieriges Jahr sein wird, sondern ein Jahr des Siegs, ein Jahr innerer Freude, wie ihr sie nie vorher wahrnehmen konntet. Nehmt jede Prüfung, die Gott euch gibt, als Seine Gnade an, da sie euch die Möglichkeit gibt, in diese Freude hineinzuwachsen. Bevor ihr diese nicht habt, wird nichts im Leben euch Zufriedenheit geben. Wir alle suchen nach dieser Freude. Allein sie kann euch zu dem leiten, was ihr wirklich in eurem Herzen wünscht. Und in diesem Sinne wünsche ich euch noch einmal ein „frohes“ Neues Jahr.


 
  
 
  

 

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