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Abschlußexamen des Lebens
Am 3. April 1998 hielt Swami Kriyananda in Ananda
Assisi für zwei kürzlich in Amerika verstorbene Ananda-Mitglieder
eine Astral Ascension Ceremony (Zeremonie für den Übergang
in die Astralebene). Dies ist ein Auszug aus seiner Rede.
Das Abschlussexamen des Lebens 
Wenn wir Gott unser Leben widmen, beginnen wir zu erkennen, was für
ein kurzes Zwischenspiel das Leben ist. Für Gott zu leben und Ihm
freudig zu dienen, ist die beste Vorbereitung auf das Abschlußexamen,
das der Tod bringt.
Es gab einmal eine Frau, die sich vor vielen Jahren um die Self-Realization
Fellowship Kirche in Hollywood gekümmert hatte. Erst zwei Wochen
vor ihrem Tod hatte sie erfahren, daß sie bald sterben müsse.
Wie man mir erzählt hat, war ihr Gesicht in diesen zwei Wochen jeden
Tag heiterer und gelassener geworden, während sie eine Verhaftung
nach der andern mit den Worten losließ: Ach, das brauche ich
wirklich nicht mehr. Kurz vor ihrem letzten Atemzug rief sie freudig
aus: Swamiji ist hier! Yogananda war bei ihr. Sie nannte ihn
immer noch Swamiji, weil sie ihn schon kannte, als ihn alle noch so nannten,
bevor Sri Yukteswar ihm den Titel Paramhansa Yogananda verlieh.
Viele Menschen werden schnell aus dem Leben genommen und haben nicht die
Gelegenheit, vor dem Tod nochmals ihre Verhaltensweisen an-zuschauen,
sie zu ändern und ihre Verhaftungen loszulassen. Es ist ein unbezahlbares
Geschenk und ein großer Segen, wenn man vor dem Tod noch die Gelegenheit
dazu erhält. Der Tod kann entweder sehr plötzlich kommen, oder
die Göttliche Mutter ist gnädig und gibt uns Zeit, damit wir
uns vorbereiten können. Aber es ist gut zu realisieren, daß
wir alle früher oder später sterben werden. Warum sollten wir
uns also nicht schon jetzt vorbereiten, indem wir uns von allen Verhaftungen
und Abhängigkeiten befreien?
Der Tod eines geliebten Menschen kann für jeden von uns Anschauungs-Unterricht
sein. Und es kann wie das Abschließen eines Kapitels und der Beginn
eines neuen sein. Für unsere Freunde, die uns gerade verlassen haben,
öffnet sich ein neues Kapitel in der Astralwelt, und auch für
uns hier beginnt ein neues Kapitel. Von allem, was ich höre und in
mir fühle, glaube ich, daß dieses Kapitel für Ananda ein
glorreiches sein wird. Eine neue Geburt erwartet uns. So wie im Winter
unter dem Schnee alles zu schlafen scheint, erwacht mit dem Frühling
plötzlich alles und ein ganz neues Leben kommt hervor.
Tests und Schwierigkeiten
Dies ist Anandas 30. Jahr, und wie wir in unserer Geschichte sehen konnten,
war in jedem Test, dem großen Brand und anderen Schwierigkeiten,
das Endresultat immer wunderbar. Ich glaube nicht, daß diese wunderbaren
Resultate einfach Glück waren. Ich glaube, daß es so etwas
wie den Pendel-Effekt gibt: wenn es schlecht genug geht, dann muß
es danach wieder besser gehen. Aber ich glaube, es ist noch viel mehr
als nur das. Ich sehe, die geistige Einstellung in Ananda ist nicht: ich
und mein. In jeder unserer großen Prüfungen verließen
diejenigen Ananda, die ich und mein dachten und diejenigen,
die dachten mein Leben gehört Gott und Gott allein, blühten
auf. Es sind diejenigen, die Anandas Realität wieder und wieder als
das definiert haben, was sie wirklich ist.
Wir sind in dem Verstehen, daß wir nur eine kurze Zeit hier verweilen,
stark geworden. Der Tod erinnert uns daran, wie kurz diese Zeit ist. Du
denkst zum Beispiel, daß es noch ewig bis Weihnachten dauert, und
dann ist es plötzlich da, und auch schon wieder vorbei. Mit dem Tod
wird es genauso sein und jeder von uns wird sich dieser Erfahrung stellen
müssen. Je mehr wir erkennen, daß wir für Gott hier sind
und nichts anderes wirklich wichtig ist, desto freier und besser vorbereitet
werden wir sein.
Vor vielen Jahren kam einmal jemand nach Mount Washington und fragte Meister
von oben herab: Was sind die Vermögenswerte dieser Organisation?
Yogananda antwortete ihm: Keine, nur Gott!
Zu einem anderen Zeitpunkt, als Yogananda in großen finanziellen
Schwierigkeiten war und es aussah, als würde er alles verlieren,
kam die Göttliche Mutter zu ihm und sagte: Ich bin deine Aktien
und deine Anlagen, was brauchst du mehr, da du doch Mich hast? Und
in der Tat ging alles bestens aus. Auf diese Weise testet Gott jeden von
uns.
Erinnert ihr euch an die Geschichte vom Heiligen Franziskus, als er und
seine Novizen-Brüder alle in einer kleinen, kalten Hütte versammelt
waren? Es war nicht mehr als eine Bretterhütte. Es regnete herein
und der Wind pfiff durch die Ritzen. Als es dann besonders stark regnete,
kam ein Bauer vorbei, der Schutz für sich und seinen Esel suchte.
Da er sie für eine Gruppe Bettler hielt, verlangte er vom Heiligen
Franziskus und den Brüdern, daß sie gehen sollten, um für
den Esel Platz zu machen. Einige der Brüder waren empörtt, da
sie doch schon alles für Gott aufgegeben hatten: Zumindest könnten
sie Schutz vor dem Sturm beanspruchen! Aber der Heilige Franziskus sagte
zu ihnen: Nein, laßt uns gehen. Yoganandas Kommentar
zu dieser Geschichte war sehr interessant: Dies war eine Prüfung
Gottes. Er wollte sehen, ob sie ihr Leben wirklich vollständig Ihm
hingegeben hatten. Am Ende wurde für sie gesorgt und alles
ergab sich zum Besten.
Solche Art von Prüfungen gibt uns Gott. Und je aufrichtiger wir Ihn
suchen und Ihm näher kommen wollen, desto mehr Prüfungen gibt
er uns. Wenn ihr über die Leben Heiliger lest, seht ihr, wie stark
der Teufel versucht, sie im Netz der Täuschung zu verstricken. Ich
habe mich oft gefragt, warum Satan die Heiligen zu einem Zeitpunkt in
Versuchung führte, als er weniger Gewinnchancen hatte. Hätte
er sie nicht viel einfacher in der Täuschung halten können,
wenn er ihnen all diese großen Versuchungen gegeben hätte,
als sie noch jung und unerfahren waren? Je stärker wir werden und
je näher wir zu Gott kommen, desto stärker werden scheinbar
auch die Prüfungen von Satan. Warum ist das so?
Die offensichtliche Antwort ist, daß es nicht so sehr Satan ist,
der uns testet, sondern Gott durch Satan, durch die satanische Kraft.
Bevor wir Gott wirklich finden können, müssen wir alle Gedanken
des Ego, des ich und mein aufgeben. Selbst bei sehr schwierigen
Prüfungen muß es uns gelingen, stark zu sein und zu sagen:
Ich bin nicht das! Das ist der Abschlußtest, bevor man
frei wird. So sagte auch Buddha zu Satan, als er kurz vor seiner Erleuchtung
noch getestet wurde: Mara, ich habe dich besiegt!
Unser Sieg besteht in der Erkenntnis, daß alles Gott ist. Da das
Ego nicht mit Gott verschmelzen kann, brauchen wir diese Prüfungen,
da sie uns helfen, unsere Freiheit zu finden. Gott hilft uns, indem Er
eine Rolle durch die satanische Kraft spielt. Er gibt diesen Dämonen
und niederen Wesen diese Kraft. Und dadurch werden wir in uns damit konfrontiert,
wie ernsthaft wir unser Leben Gott geweiht haben. Und darum geht es in
Wirklichkeit.
Ich las ein sehr feinfühliges und inspirierendes Buch über sieben
heilige Frauen. Immer und immer wieder mußten sich diese Heiligen
der Prüfung stellen, zu sehen, daß alles Gott ist. Sobald sie
dies taten, waren sie frei. In jeder von ihnen wurde die göttliche
Ausstrahlung klarer, als sie Gott erlaubten, durch sie hindurchzuleuchten.
In einer schönen Passage über die Heilige Katharina von Siena
sagte Gott zu ihr: Du bist die, die nicht ist; Ich bin Der, der
ist. Unsere Egos und Persönlichkeiten, die Leben, die wir aufgebaut
haben, die uns so wirklich erscheinen, haben keine letztendliche Existenz.
Die einzige Realität ist die des Höchsten Träumers, der
dieses ganze Universum in Existenz geträumt hat.
Bringe dich Gott dar
Laßt uns den Tod unserer Lieben eine Erinnerung an diese Wahrheit
sein und unser Leben immer mehr Ihm hingeben und uns jeden Tag für
das einzig Sichere im Leben vorbereiten: den Tod. Auf diese Weise werden
wir almählich verstehen lernen, was sicherlich auch alle Heiligen
verstanden haben, daß der Tod nicht wirklich existiert, sondern
nur das Leben existiert ein Leben der Freude, der Liebe, der Schönheit
und des Friedens, das umso glorreicher wird, sobald wir diese schwere
physische Form, die uns bindet, loslassen. Für diejenigen, die auf
dem spirituellen Weg sind, die zumindest ein bißchen meditiert und
die Qualitäten ihrer Herzen entwickelt haben, wird die Welt, in die
wir gehen, wie Yogananda sagte, an Schönheit alles übertreffen,
was wir uns vorstellen können.
Hängen wir an unserem Leben und an unseren Verhaftungen oder sagen
wir: Gott, es ist alles Dein? Je mehr wir an dem Gedanken
festhalten, daß dieses Leben allein Gott gehört, desto mehr
werden wir Seinen Segen fühlen. Sogar im Moment größter
Dunkelheit wird Gottes Gegenwart und Segen mit uns sein.
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