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Ein Brief von Swami Kriyananda
über die Terroristenattacken

 

12. September 2001

Ihr Lieben,

Die Tragödie in New York war und ist immer noch entsetzlich. Ich kann nur hoffen, dass keiner von Euch persönlich betroffen ist durch Freunde oder Familie. Dass wir aber alle auf eine Weise davon betroffen sind, ist unvermeidlich. Ich bin stolz auf Amerika, dass es mehr über das Vermeiden zukünftiger Terroristen-Katastrophen spricht, als über Rache. Denn obwohl ich mit denjenigen übereinstimme, die sagen, wir müssen vorbeugende Massnahmen ergreifen, wäre ein jeglicher Wunsch nach Rache von Hass motiviert. Mögen die Handlungen unserer Nation immer auf der Seite von Wahrheit und Weisheit stehen und nicht von Zerstörung und adharmischer Handlung! Meine Sorge ist natürlich, dass Bush die Tendenz haben könnte, „trigger-happy" zu sein (den Finger schon auf dem Abzug). Die Umstände sind jedoch so schwerwiegend, dass sie ihn, so hoffe ich, zu vorsichtigem Nachdenken und gesundem Menschenverstand zügeln werden.

Wir leben in einer globalen Konfusion - moralischer und besonders spiritueller Art. Ich hätte gerne in der bisher erfolgten TV Berichterstattung mehr über Gott und weniger über die Überlegenheit unseres demokratischen Systems gehört. Der wahre Kampf dieser Zeiten findet zwischen Licht und Dunkel statt: Zwischen Erleuchtung und vorsätzlicher Unwissenheit, zwischen Gott und Satan. Amerika, wie der grosse indische Yogameister Paramhansa Yogananda oft sagte, hat sich nach den Kräften des Lichts ausgerichtet, und ist aus diesem Grund mit seiner grossen Macht die Hoffnung der ganzen Welt. Möge dieses Land nie diese wahre göttliche Rolle aufgeben, um sich materieller Gier zuzuwenden und Gott zu vergessen. Karmisch gesehen erscheinen mir diese Attacken auf solch ein wichtiges kommerzielles Zentrum, wie das World Trade Center, und auf das Herz unserer militärischen Macht im Pentagon, eine Andeutung eines göttlichen Zeichens zu tragen, dass Amerika seine Prioritäten verändern sollte, indem es bewusster für Gott lebt. Gleichzeitig könnte man die Zerstörung des Flugzeugs, das anscheinend das White House am Capitol Hill zerstören sollte, als ein Zeichen göttlicher Gnade gegenüber unserem generellen Schicksal nehmen. Kein Land ist vollkommen, aber in Amerika besteht, wie Meister sagte, sehr viel mehr gutes als schlechtes Karma. Wie er ebenso versprach, wird Gott über uns wachen und dies noch sehr viel besser tun können, wenn wir bewusst und liebend an Ihm festhalten.

Wie Ihr alle wisst, schaue ich fast nie fern. Aber in diesen beiden letzten Tagen habe ich genau verfolgt, wie sich die Ereignisse in New York, Washington und sonst in der Welt entfalteten. Die Arroganz, die man auf den Fotos von ben Laden sieht, die Freude der Menschen in Palästina, die voll Freude und Lachen in Siegesstimmung in den Strassen tanzen, sind verächtlich. Nie haben Amerikaner das Leiden ihrer Feinde gewollt, geschweige denn bejubelt. Wir haben uns eher hinuntergebeugt, um unseren Feinden, die uns zuerst attackiert hatten, zu helfen, nachdem wir den Krieg gewonnen hatten, den sie gegen uns begonnen hatten. Diese Entführungen sind Manifestationen satanischen Bewusstseins. Ich sehe keinen Grund, spirituelle Liebe vorzugeben, indem man ihnen Toleranz erweist. Das Böse hat keine Toleranz für das Gute. Das Gute kann das Böse nicht im Namen der Spiritualität entschuldigen. Wir müssen Sünde strikt bekämpfen, und gleichzeitig allen Sündern Gutes wünschen. Es wäre un-dharmisch, das heisst un-rechtschaffen, nichts zu tun: Das würde nichts als Rückgratlosigkeit zeigen.

Und doch sorge ich mich, dass Amerika, wenn es nicht sehr vorsichtig in seinen Vergeltungsmassnahmen ist, selbst im Namen von Dharma einen Weltkrieg verursachen könnte. Bush hat gesagt - und ich kann nicht anders, als zu denken, dass wir keine Wahl haben, obwohl ich da falschliegen mag - dass wir nicht länger Ländern, die Terroristen beherbergen, erlauben können, ungestraft zu bleiben - nicht aus Rache, sondern um zukünftige, ähnliche Akte von Terrorismus zu vermeiden. Pakistan beherbergt Terroristen. Ebenso Libyen, obwohl Libyen hier nicht involviert zu sein scheint. Es wurden Telefonate nach Afghanistan mitgeschnitten, in denen mit dem Erfolg der letzten Angriffe angegeben wurde. Ich kann nur sagen, dass ich froh bin, dass ich nicht in einer Position bin, in der ich Amerikas Handlungen bestimmen muss! Was, wenn Pakistan beteiligt ist? Würde dann auch Indien beteiligt? Und China? Ja, dies sind kritische Zeiten und das Schreckliche ist, dass wir nichts auflösen können, indem wir einfach nicht handeln. Das war es, was Arjuna in der Bhagavad Gita am Vorabend des Kriegs von Kurukshetra tun wollte, und Krishna sagte ihm, er müsse seine Pflicht tun. Der Trost, den uns diese heiligen Schrift gibt, ist, dass der Tod jedoch kein Ende ist. Der klar herausstehende Punkt ist, dass Schwäche angesichts des Bösen schlicht eine Einladung an das Böse ist, noch böser zu werden. Daher ist Handlung irgendeiner Art unvermeidlich. Lasst uns beten, dass es die richtige Art von Handlung sein wird. Selbst die aus besten Absichten erfolgten Handlungen können missinterpretiert werden - wie wir sehr wohl aus vielen unserer eigenen Lebenserfahrungen wissen.

Gutes wird ebenso sicherlich aus diesen erschütternden Ereignissen erwachsen. Der Isolationstrend Amerikas in der letzten Zeit wird sich, galube ich, ändern. Die internationale Gemeinschaft wird sich in der Zusammenarbeit näher aneinanderschliessen. Viel Leid wird jedoch - wie ich befürchte - in den nächsten Jahren über die Welt kommen. Ananda muss als ein Leuchtturm spiritueller Stärke, Glaubens und Liebe zu Gott stehen. Das ist unser Dharma - unser Pfad höherer Pflicht. Wir müssen an diesem Dharma stärker als je festhalten.

Ich glaube, dass die Ereignisse bei der Convocation in Los Angeles unseren Mitgliedern geholfen haben, ihren Mut im Verteidigen der Wahrheit zusammenzunehmen. Ich glaube ebenso, dass die starke Notwendigkeit, die ich spürte, mich ganz ins Schreiben zu versenken und mein neues Buch zu beenden - für das ich den Titel vorschlug: „Hoffnung für eine bessere Welt!" (mit dem Untertitel: „Der Weg der kooperativen Gemeinschaft") - ein Teil des göttlichen Willens ist, dass wir alles nur mögliche tun, um uns vorzubereiten, eine neue, lösungsorientierte und geistorientierte Art des Lebens anzubieten.

In Meisters Liebe,

Swami


 
  
 
  

 

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