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Liebe ist ein Alchemist

Swami Kriyananda hielt den folgenden Vortrag bei der Einweihung des neuen Hansa Tempels im Ananda Village, während seiner Geburtstagsfeier am 18. Mai 1997.

Die Romanze der Seele mit Gott

Ich freue mich wieder hier zu sein und diesen schönen Tempel zu sehen. Ihr habt wunderbare Arbeit geleistet, um alles für die Einweihung fertigzustellen.

Ich möchte mit einem Lied beginnen.Bis gestern Abend war es mir unmöglich, dieses Lied „Liebe ist ein Alchemist” zu singen, weil es mich so tief berührt. Ich wollte es singen, wußte aber, daß ich es wahrscheinlich nicht würde, zu Ende bringen würde. Schließlich gab mir Meister den Hinweis: „Denk an die Freude der Kommunion, die auf die Sehnsucht folgt.” In dieser Freude konnte ich das Lied singen.

Die Worte zu diesem Lied waren mir in einem überbewußten Zustand gekommen - danach verbrachte ich die nächsten zwei Sunden damit, sie niederzuschreiben. Sie bringen die Liebe der Seele zu Gott zum ihre lange Wanderung durch unzählige Inkarnationen.

Jemand fragte mich, was ich mit dem Schluß meinte: „Wie dumm war ich, mich abzuwenden! Das Abwenden bedeutet nicht unbedingt, das wir Gott zurückweisen. Es bedeutet, daß wir Ihn auf ein Regal zu legen, während wir an all die anderen kleinen Dinge denken, die unsere Zeit in Anspruch nehmen. Und am Schluß stellen wir fest, daß ein weiteres Leben vorbeigegangen ist, und wie wenig Zeit wir tatsächlich Gott gewidmet haben. Du sagst vielleicht, daß du schon viele Jahre auf dem spirituellen Pfad bist, aber wie viele Minuten hast du in diesen Jahren wirklich Gott gegeben? „Die Minuten sind wichtiger, als die Jahre,” pflegte Meister zu sagen.

Das Schöne, wenn du dich ganz Gott widmest, ist, daß es so schwierig erscheint, bis du es schließlich tust. Es ist wie beim Surfen - du mußt auf die Welle steigen und sie trägt dich dann zum Strand. Man sagt, wenn du eine Hand nach Gott ausstreckst, reicht Er dir beide, um dich hochzuheben. Wenn du dir nur ein bißchen Mühe gibst, Ihn zu finden, wird Er dir die Kraft geben, mehr zu tun.

Es gibt große Bewußtseinskräfte, die wir anrufen können. Wenn wir Gott anrufen, nicht nur halbherzig, sondern mit jeder Fiber unseres Seins, dann werden wir Ihn finden. Wenn wir jedoch die falschen Kräfte anrufen, bringen sie uns weiter in die Täuschung. Yogananda schrieb im Buch über „Das Rubaiyat von Omar Khayyam” daß viele Seelen, die am Anfang eines „Tages von Brahma” hier sind, auch noch am Ende dieses Tages in der Täuschung herumwandern. Es kann lange dauern, bis man herauskommt, nur weil wir uns abgewendet haben.

Die Verbundenheit des Bewusstseins

Ich las gerade ein faszinierendes Buch, das ich euch allen empfehlen kann, denn es läßt einen die größere Einheit allen Lebens besser verstehen. Das Buch ist von Sonya Fitzpatrick und heißt: „Was mir die Tiere erzählen”. Sie kann telepatisch mit ihnen reden und sie erzählen ihr Dinge, von denen die Besitzer sich nicht vorstellen konnten, daß die Tiere davon wußten. Die Besitzer denken, weil die Tiere stumm sind können sie nicht sehr bewußt sein.

Einer Geschichte zum Beispiel handelte von einem kleinen Hund, der sehr deprimiert war, nicht mehr fraß und sich generell schwer tat im Leben. Er erzählte, eine seiner Beschwerden sei, daß der Besitzer für seine anderen Hunde schöne, neue Freßnäpfe gekauft hätte und nicht für ihn. Darüber sei er sehr traurig. Der Besitzer gab zu, daß dies geschehen sei und kaufte dem kleinen Hund auch einen neuen Napf.

Es ist ein faszinierendes Buch. Über die amüsanten Geschichten hinaus zeigt es, wie alles Bewußtsein untereinander verbunden ist.

Leute, die aus ihrem Körper hinausgehen können, beschreiben ein großes Netz von Bewußtsein und Energie, das das ganze Universum durchzieht. Dieses ganze Universum ist auf eine Weise verbunden, die es beinahe zu einem lebendigen Körper macht; jeder von uns ist wie ein kleines Atom in diesem Körper.

Wir müssen unsere Beziehung zum ganzen Universum verstehen und auch, wie wir uns aus dieser Beziehung befreien können - denn ein Netz gibt nicht nur Kraft, es kann auch festhalten. Wir müssen uns aus dieser Knechtschaft lösen und dann von der göttlichen Ebene aus das ganze Universum mit unserer Freude erfüllen. Das hübsche Gedicht von Edwin Arnold „Das Licht Asiens” , beschreibt den Moment, als der Buddha die Erleuchtung erlangte. In diesem Augenblick ging ein Segen über die ganze Welt: ein Wäscher fühlte plötzlich mehr Freude beim Waschen, und jeder Mensch in der Welt wurde irgendwie von diesem Segen berührt.

In den Schriften von India heißt es, Gott hat das Universum erschaffen, damit Er durch Viele Freude haben kann. Aber Er hat keine Freude, wenn wir leiden. Er möchte sich in allen Seelen freuen, aber Er kann das nur, wenn die Seelen in Ihm erwacht sind. Er will, daß wir zu Ihm zurückkommen. In Ihm können wir dann das Universum mit Freude nähren. In Ihm können wir Sein Ziel für die Schöpfung erfüllen. In dieser Erfüllung werden wir entdecken, daß all die Erfahrungen all unserer Inkarnationen in einem einzigen Augenblick stattfanden.

Die Gegenwart Gottes in unserem Leben

Wir müssen entdecken, daß nichts von all dem real ist, daß alles ein Traum ist. Einige der schönsten Worte Yoganandas könne wir auf der Tonbandaufzeichnung seines Vortrags über den Heiligen Antonius aus der Wüste hören. Nachdem er sechzehn Jahre lang intensiv zu Christus gebetet hatte, wurde er plötzlich mit einer Vision Jesu gesegnet und die Dämonen und die Dunkelheit verschwanden. Der Heilige Antonius sagte: „Herr, wo warst du all diese Jahre, in denen ich dich rief?” Jesus antwortete: „ Antonius, ich war die ganze Zeit bei dir!”

Meister fügte dann hinzu: „Ah, ich kenne diese Erfahrung, wenn du plötzlich aufwachst und dich an all diese Leben erinnerst, in denen du gesucht hast ohne zu wissen, wonach du suchtest. Du dachtest, Freude in kleinen Sachen zu finden, - in der Liebe zu einem Menschen, in unbedeutenden Amusements, - und schließlich entdeckst du, worum es wirklich geht. Das Gefühl der Erfüllung ist so wunderbar.”

Einmal sagte Meister zu einem seiner Schüler: „Nur ein kleiner Gedanke hält dich davon ab, frei zu sein - nämlich der Gedanke, daß du nicht frei bist.” Der Schüler fragte dann: „Wenn ich jetzt sagte, daß ich frei bin, dann wäre ich trotzdem nicht frei, oder?” Meister sagte: „Oh doch! Aber du hast deine eigene Frage beantwortet. Du sagtest, „wäre ich nicht frei”. Das ist das Problem: Wir hypnotisieren unseren Verstand mit dem Gedanken, daß dieses oder das so wichtig ist, daß unser Körper wichtig ist, daß unser Leben so wichtig ist. Natürlich können wir die Forderungen des Lebens nicht ignorieren. Was immer unsere Arbeit ist, sollten wir gut machen, von ganzem Herzen. Mache alles so gut wie du kannst, und erfülle es mit deiner Liebe zu Gott.

Einige Devotees machen den Fehler, nur an ihre eigene Beziehung zu Gott zu denken. Meister sagte, daß Gott nicht zu dir kommen wird, bis du nicht andere Menschen in deine Suche miteinbezogen hast, bis du nicht versuchst, ihnen zu helfen, ihnen zu dienen und sie zu segnen. Selbst als Eremit im Himalaya solltest du für andere beten und sie segnen.

Etwas Interessantes, das wir vor nicht zu langer Zeit herausgefunden haben, war eine wissenschaftliche Studie über die Heilgebetskreise von verschiedenen Kirchen und Organisationen. Dabei wurde herausgefunden, daß die Ananda-Gebete viel effizienter waren, als die anderen. Das liegt an Meisters Technik, und an der Tatsache, daß wir unser Bewußtsein, unseren Geist und unsere Energie stark konzentrieren. Für andere zu beten ist ein wichtiger Dienst - anderen zu helfen und vor allem, ihnen zu helfen, spirituell zu wachsen.

Das Vorbild von Yogananda

Lebe positiv. Meisters Leben war ein wunderbares Beispiel hierfür. Wenn Leute seine Autobiographie lesen, denken sie oft, daß er sehr liebenswürdig und bescheiden war. Er war wirklich der liebenswürdigste Mensch, den ich je getroffen habe, auch war er sehr bescheiden, sehr respektvoll, aber gleichzeitig war er sehr stark. Manche Leute sagen zu mir, daß es wunderbar gewesen sein muß, mit ihm gelebt zu haben. Ja, es war wunderbar, aber es war nicht einfach. Es war eher eine große Herausforderung - du konntest dich nie gehen lassen, konntest keine Zeit verschwenden.

Einmal spielte ich gerade mit Bernard Schach, als Meister nach ihm rief. Jemand sagte: „Er spielt Schach.“ Meister sagte abschätzig: „Schach!”

Wenn du seine Stimme in den Aufnahmen hörst: „Ich, Paramhansa Yogananda, bete mit dir”, dann kannst du seine große Kraft fühlen. Das ist die Art von Kraft, die wir brauchen, und es ist die Art von Kraft die er uns versuchte beizubringen.

Diese Kraft darf jedoch nicht mit Rücksichtslosigkeit gekoppelt sein. Meister sagte, der spirituelle Weg sei, wie wenn man gleichzeitig ein Rennen läuft und unterwegt „Stunts” macht. Man soll also bescheiden sein und doch kraftvoll; aber nicht mit einer aggressiven oder besitzergreifenden Macht. Sei voller Respekt gegenüber den Realitäten anderer Menschen. Verspanne dich nicht, aber lege Kraft in alles, was du tust.

Gottes Segnungen

Als ich erst zwei, drei Monate in Mt. Washington war, hatte ich ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Ich ließ mir jeweils das Mittagessen zur Seite stellen, um von 12:00 bis 12:30 zu meditieren. Eines Tages, ungefähr um 12:29 fühlte ich plötzlich große Freude und dachte: „Diese Freude ist so wunderbar, und so voll – kommen natürlich! Ich weiß, daß ich sie unmöglich wieder verlieren kann ... und jetzt ist Essenszeit.” Und so stand ich auf und ging essen. Was für ein Dummkopf war ich doch! Ich verlor diese besondere Erfahrung göttlicher Freude. Ich hätte sitzenbleiben, die Freude vertiefen und das Essen vergessen sollen.

Weißt du, ab und zu öffnen sich die Wolken und du bekommst eine kleine Berührung von Oben. Und wenn das geschieht, halte daran fest, als ginge es um dein Leben. Ich meine nicht mit Verkrampfung, aber geh tiefer hinein. Wenn du in der Meditation mit deinem Seelenbewußtsein in Berührung kommst, erscheint es so vollkommen natürlich. Patanjali beschreibt diesen Zustand als Smritti, oder Erinnerung. Du erinnerst dich wer du wirklich bist und was deine wahre Realität ist. Dies sind kleine Segnungen, die dir gegeben werden und zu dem großen Segen werden, wenn du an ihnen festhältst.

Wenn du nicht an ihnen festhältst, ist es, wie wenn du im Auto von Los Angeles nach New York fährst. Nach ein paar hundert Meilen siehst du vielleicht eine Reklame für irgendetwas in New York. Aber du mußt erst noch eine lange Strecke fahren, bevor du ein zweites Plakat siehst. Erst wenn du ziemlich nah an New York bist, siehst du mehr und mehr Plakate, bis das schließlich alles ist, was du siehst. Das gleiche, könnte man sagen, gilt für die Plakate der Ekstase - die inneren Lichter und Erfahrungen. Während du meditierst, erhältst du vielleicht ein Fünkchen dieser Ekstase, aber dann kann es sehr lange dauern, bis es wiederkommt.

Es ist aber auch wahr, daß viele Leute am Anfang des spirituellen Weges mehr Erlebnisse haben,als für viele Jahre danach, weil Gott und die Seele sagen: „Hierauf kannst du hoffen, wenn du weiter deinen Pfad gehst. Dies ist dein Potential.” Dummerweise denken diese Leute oft, solche Erfahrungen kommen leicht und nehmen sie als selbstverständlich hin.

Eine Frau kam einmal zu einem Vortrag von Meister in Massachusetts. Dabei sah sie den tausendblättrigen Lotus und konnte durch die Wand hindurch in den nächsten Raum blicken. Sie hatte ein Erlebnis hoher Ekstase. Aber diese Erfahrung war so leicht zu ihr gekommen, daß sie nie wieder zu einem Vortrag kam. Sie dachte wahrscheinlich: „Oh, das war aber schön”, und wendete ihre Aufmerksamkeit dann anderem zu. Bevor sie sich bewußt war, hatte sie alles verloren, sogar die Erinnerung daran.

Du mußt an diesen Erlebnissen festhalten, oder sie werden bald schon unwirklich scheinen. Du willst Freude, weil du Freude bist, und weil du Freude aus der Vergangenheit kennst. Jedesmal, wenn du nun Gottes Gegen-wart spührst, empfange sie mit großem Respekt und Ergriffenheit. Bewahre sie als das Wertvollste, das du je besessen hast, und versuche auf ihr aufzubauen.

Der Meister sagte, wann immer eine kleine Welle der Freude in dein Bewußtsein schießt, bemühe dich, sie auszudehnen. Laß sie dein ganzes Bewußtsein ausfüllen. Der ganze Weg der Seele ist diese Suche nach etwas, das wir schon immer wollten. Aber dann denken wir: „Es ist zu weit weg, es ist zu schwierig für mich.” Dann schauen wir in andere Richtungen und versuchen, den Abfalleimer unseres Geists mit nutzlosen Dingen zu füllen. Leere stattdessen deinen Geist in der Meditation und halte ihn hoch, dann wird er zu einem Kelch. Laß deinen Verstand zu einem Kelch werden. Laß dein Herz zu einem Kelch werden, denn mehr als alles andere muß das Herz gewonnen werden, um Gott hingegeben zu werden.

Gottes Liebe

Die Liebe ist das Einzige, worum es in diesem Leben wirklich geht - nicht die Liebe für Menschen, oder für Dinge, oder für irgendeinen Punkt im Weltraum, nein, die Liebe selbst. Etwas das dir helfen wird, diese Erfahrung zu machen, ist, daran zu denken, daß Gott uns immer schon geliebt hat. Wie Jesus sagte: „Antonius, ich war immer bei dir!" Gott ist immer bei uns, und Er wartet nur darauf, daß wir Ihm unsere Aufmerksamkeit zuwenden. Sobald wir das tun, hilft Er uns. Wenn Gott weiß, daß es uns wirklich ernst ist und wir nur noch Ihn wollen, dann erfüllt Er uns mit Seiner Gegenwart.

Ich gaube, daß dieses Lied eine so tiefe Bedeutung für mich hat, weil es die Geschichte jeder Seele ist. Es ist die Geschichte dieser Seele, die nach etwas suchte, das sie nie haben konnte, bis sie erkannt hatte, wo sie suchen mußte, um zu verstehen, daß die Liebe immer bei uns war. Wir müssen nur nach innen gehen. Wenn wir lauschen, dann wissen wir: Die Liebe ist hier.


Liebe ist ein Alchemist

Die Liebe ist das einzige, das ich kenne:

Sonnenstrahlen auf dem Schnee,

in einem langen Winter der Dunkelheit ohne Musik.

Oh, mein Herz steht in Flammen,

Alle Wünsche verbrennen:

Du allein bleibst,

Und wieder das Leben.

Zu lange bin ich herumgeirrt

Hab ganze Leben vergeudet,

Weil ich dachte, es würde Dich nicht kümmern.

Ich weiß jetzt, daß Dein Lächeln

Immer schon mir gehörte.

Ich lauschte, und Liebe war da.

Ich kann nicht atmen vor lauter Liebe!

Alle Sterne über mir rufen zu mir: „Komm nach Hause!

Des Lebens Wellen enden alle in Schaum.”

Nur die Liebe kann all den Schmerz heilen,

Den ich fühle.

Wie dumm war ich doch

Mich abzuwenden!

von Swami Kriyananda



 
  
 
  

 

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