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Die innere Pilgerreise

Auszug aus The Promise of Immortality
von Swami Kriyananda

Göttliches Bewusstsein existiert im Kern eines jeden Atoms der Schöpfung; wie Yogananda sagte: „Zentrum überall, Peripherie nirgendwo“. Die Anbetung Gottes findet daher natürlicherweise sowohl innerlich als auch äußerlich statt. Für jemanden, dessen Sicht nach innen gerichtet ist, sind alle Dinge heilig. In diesem Sinne ist das ganze Leben eine Pilgerreise und die gesamte Schöpfung ein heiliger Schrein, in dem Gott wohnt.

Für jemanden, der nicht meditiert, ist es nicht einfach, selbst in einem heiligen Schrein Inspiration zu erfahren – ganz davon zu schweigen, diese in einem Felsen zu finden. Um Gott in allem zu sehen, ohne bloß seine Allgegenwart zu affirmieren, müssen wir Ihn zuerst in uns selbst erkennen. Es ist daher wichtig, Gott zuerst im Tempel des eigenen Körpers anzubeten, und sich Seiner als lebendiger Anwesenheit bewusst zu werden. Ohne Verehrung kann auch der heiligste Schrein der Welt nicht zu Liebe für Gott inspirieren.

Jesus Christus sagte: „Zerstört diesen Tempel und in drei Tagen will ich ihn aufrichten.” Seine Kritiker glaubten, dass er sich auf den Tempel in Jerusalem bezog, in dem er sich gerade aufhielt. In der Bibel steht: „Er aber sprach von dem Tempel seines Leibes.” (Johannes 2:19,21). Jesus sagte nicht, dass der prächtige Tempel in Jerusalem die Verehrung der Menschen nicht verdiene. Alles, was er sagte, war, dass die höchste Pilgerreise im Inneren stattfindet, und nicht äußerlich. Gott „im Geiste und in der Wahrheit“ zu verehren bedeutet, mit Ihm in innerer Stille zu kommunizieren. Die Bedeutung dieser Passage ist eindeutig: Wir sollen Gott zuerst in uns selbst verehren und äußerlich nur, um die Hingabe, die wir in unseren Herzen fühlen, auszudrücken.

Jede Religion lehrt, dass es an bestimmten Orten der Erde heilige Schwingungen gibt. Israel ist ein Beispiel für solch einen Ort, ebenso Indien. Besonders das Meditieren in den Bergen des Himalaya, aber auch, wenn wir diese in einer ergebenen Haltung aufsuchen, bedeutet, von ihren Schwingungen inneren Friedens berührt zu werden. Äußere Pilgerreisen, sagte er, ohne entsprechende innere Kommunion, bringen wenig Segen. Das Wichtigste ist vor allem unsere innere Beziehung zu Gott. Wenn wir heilige Orte aufsuchen, sollten wir uns in tiefem Gebet auf deren Schwingungen einstimmen.

Wenn wir die Gefühle unserer Herzen erheben, werden wir langanhaltenden Segen empfangen. Was Jesus aber vor allem empfahl, war die „Pilgerreise“ zu unserer eigenen göttlichen Quelle. Wo immer wir uns physisch befinden, sollten wir den Vater verehren „im Geiste und in Wahrheit“ und aus unseren Herzen einen tragbaren Altar machen. Äußere Pilgerreisen helfen, unsere Verbindung mit Gott zu stärken und zu vertiefen, der wahre Altar des Geistes aber ist ein von Verhaftungen und Wünschen gereinigtes Herz, das zu Seiner Liebe erhoben ist. Gott „im Geiste“ zu verehren bedeutet, sich in tiefer Meditation über das Körperbewusstsein zu erheben.

Was sonst wäre eine Pilgerreise? Sie hat die Kraft, jeden Aspekt des Lebens zu verändern. Im Gegensatz zu den schalen Bildern, die aus dem Unterbewusstsein kommen, und im Gegensatz zu dem kurzen Frieden, der an heiligen Plätzen erfahren werden kann, lassen göttliche Erfahrungen niemanden, den sie berühren, unverändert. Jesus sagte hierzu: „Möchtest du ein Anbeter von der Sorte sein, die von Gott selbst aufgesucht werden, dann nehme dir jeden Tag Zeit für überbewussten göttlichen Kontakt in der Meditation.

Gehe in die Stille der inneren Kommunion.“ Dies „Heilige der Heiligen“ kann äußerlich nur versinnbildlicht werden. Leben tut es im Heiligtum der Herzen. Auf diesem Altar sollten wir das Licht der Hingabe immer brennen lassen.

Wahre Pilgerreise, wie auch wahre Anbetung, findet in erster Linie im Inneren statt. Es fällt nicht schwer, sich den Körper als einen Ort der Verehrung vorzustellen, wenn er während der Meditation äußerlich unbeweglich ist, wie ein Tempel. Pilgerreisen bedeuten aber auch das Reisen von einem Ort zum anderen. Ein unbeweglicher Körper aber hinterlässt keinen Eindruck der Bewegung.

Stille, ja. Aber Pilgerreise? Pilgerreisen zu heiligen Schreinen sind Symbole für die innere, spirituelle Suche. Für ein Symbol aber scheint dieser eine Aspekt zu fehlen: Bewegung. Und trotzdem gibt es definitiv Bewegung in der Meditation. Die Bewegung ist nicht äußerlich. Sie findet innerhalb des Körpers statt.

Eine solche Pilgerreise führt uns durch die Wirbelsäule. Die Wirbelsäule ist auch physisch der Weg, auf dem die Energie zwischen Gehirn und Körper fließt. Sie ist ein subtiler Durchgang für den Fluß der Lebensenergie. Der menschliche Wille sendet sowohl bewusst als auch unbewusst Energie durch die Nerven der Wirbelsäule in den Körper, und verursacht auf diese Weise Bewegung, Spannung, ja sogar den Atem. Je größer die spirituelle Verwirklichung, desto klarer erkennen wir, dass das Meistern dieser Energie uns die Kontrolle über alles im Universum gibt; indem wir es einfach mit unserer Willenskraft befehlen.

Es gibt also wirklich eine innere Pilgerreise. Sie ist Bewegung, nicht statisch. Erst am Ende der Reise erreichen wir absolute Stille. Diese Reise ist jedoch subtil. Am Ende jeder Pilgerreise steht normalerweise ein Tempel oder ein Schrein, an dem alle Bewegung endet – idealerweise in meditativer Stille.

Das Gleiche gilt für die innere Pilgerreise der Seele. Die nach oben gerichtete Reise der Energie und des Bewusstseins in der Wirbelsäule endet in der vollkommenen Stille der Selbstverwirklichung.


 
  
 
  

 

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