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Praktiziere die Gegenwart Gottes

Dieser Artikel stammt aus einer Ansprache, die Swami Kriyananda am 1. Januar 1999 in Ananda Italien hielt.

Vergiss die Vergangenheit

Ich wünsche Euch allen ein glückliches Neues Jahr! Es freut mich sehr, euch alle hier zu sehen und ich hoffe, dieses Jahr wird ein wunderbares Jahr, das euch viel Schönes bringt.

Ich kann euch nicht nur Schönes wünschen, denn das wäre wohl zuviel gefragt. Wir wollen realistisch sein - das Leben ist lang. Aber es ist meines Erachtens sehr wichtig, das amerikanische Sprichwort zu verstehen: “Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens.” So sollten wir leben, so sollte unsere Einstellung sein. Die Vergangenheit ist nicht wichtig - aber von heute an können wir uns verändern.

Yogananda sagte oft: “Vergiß die Vergangenheit.” Wir wollen nicht im Gedanken an vergangene Fehler leben, die uns herunterziehen. Viele Menschen leben auch oft zu sehr in ihren Siegen. Voller Stolz sagen sie: “Oh, ich hab dies getan und jenes gemacht”, dabei liegt es doch schon in der Vergangenheit.

Die Bhagavad Gita sagt uns, daß wir die Resultate unserer Handlungen Gott geben sollen. Wenn also deine Handlungen nicht gutgehen, kannst du Ihm die Schuld geben. Ich war überrascht zu hören, wie Yogananda sagte: “Es freut Gott, wenn du Ihm deine Fehler gibst.” Du bist mehr in Einklang mit Ihm, wenn du Ihm deine Fehler gibst, und dann kannst du dich langsam zum Besseren Wandeln. Aber wenn du an dem Gedanken festhängst: “Ich habe einen Fehler gemacht”, schließt du diese Tür.

Wir leben in einem Zeitalter, in dem man sagen könnte, daß die Wissenschaft die Religion von heute ist. Das ist gut in dem Sinne, daß die Wissenschaft sagt: “Wenn es wahr ist, müssen wir es beweisen.” Wenn die Religion also real ist, dann ist sie beweisbar: Sie kann getestet werden.

Denke an Gott und spreche mit Ihm

Für dieses Jahr empfehle ich euch, daß ihr Religion oder Spiritualität auf wissenschaftliche Weise in euch testet. Versucht, ein Jahr lang an Gott zu denken und mit ihm zu reden. Macht es wie einen Versuch, wie ein Experiment. Denkt an Gott als in euch, als ihr selbst, und denkt bei allem was ihr tut: “Ich mache dies mit Dir.” Teilt jeden kleinsten Gedanken mit Ihm. Wenn es ein unschöner Gedanke ist, teilt ihn mit Ihm. Sagt: “Lieber Gott, hilf mir. Verwandle diesen Gedanken, denn er gefällt mir nicht.” Alles mit Ihm zu teilen ist nicht einfach, aber nehmt euch wirklich vor, es zu tun.

Es scheint eine alte Tradition zu sein, daß die guten Vorsätze vom ersten Januar am zweiten schon aufgegeben werden. Anstatt nun Vorsätze zu haben, die dann doch nicht eingehalten werden, versucht, jeden Tag fünf Minuten lang an Gott zu denken. Wenn ihr das schafft, dann versucht es zehn Minuten, und dann immer länger.

Das ist wirklich eine wunderbare Praktik. Ich finde es zum Beispiel sehr inspirierend, beim Gehen jeden Moment, jede Bewegung und jedes Geräusch mit Gott zu teilen. Wenn ihr ein Auto hupen hört, könnt ihr euch vorstellen, daß es Gott war. Wenn ihr im Baum einen Vogel pfeifen hört, dann denkt, daß es Gott ist, der pfeift. Und mit der Zeit werdet ihr entdecken, daß alles göttlich ist. Denkt: “Das Göttliche bewegt meine Beine, und fließt durch mich.” Wenn ihr mit andern Menschen sprecht, laßt in euch das Lied weiterklingen, das zu Gott singt: “Oh, Gott ich liebe dich so. Guru, ich liebe dich so.” Allmählich werdet ihr lernen zu denken, daß es Gott ist, der im kleinen Vogel oder im Wind in den Bäumen zu euch spricht. Ihr werdet sehen, daß das ganze Leben eine Symphonie ist und daß alles, auf die eine oder andere Weise, Gott ist, der in dieser Form zu euch spricht.

Wenn ihr Gott diese Gelegenheit gebt, wird Er zu euch sprechen; Er wird euch Botschaften geben, wie in der herrlichen Geschichte von George Washington Carver, einem Schwarzen in Amerika. Er war ein einfacher Mann, der in seinem Leben etwas für Gott machen wollte. So begann er, intensiv zu beten und Gott antwortete ihm, indem Er ihm 300 verschiedene Verwendungsmöglichkeiten für die Erdnuß offenbarte. Wenn du Gott die Gelegenheit gibst, zu dir zu sprechen, dann kann Er dich in allem, was du siehst und erfährst, führen.

Mache die Erfahrung von Gottes Gegenwart

Es gibt eine wunderbare Geschichte, die ich schon oft erzählt habe, über den Heiligen Datatreya, der vor vielen Jahrhunderten lebte und sagte, er hätte 24 Gurus. Einer davon war eine Biene. Wieso eine Biene? Weil er sah, daß die Bienen nur zu Blumen fliegen und nicht zu Unrat, wie die Fliegen. So lernte er von der Biene, im Leben, das eine Mischung von Gut und Böse ist, nur das Gute und Schöne zu suchen.

Er sprach auch von einem Stein, der sein Guru war. Der Stein war still, fest und unbeweglich, auch wenn sich um ihn herum alles bewegte. Und so dachte der Heilige: “So will ich sein, zentriert in mir.” Wieso nicht bewegungslos in der Meditation verharren und sich nicht wegen Kleinigkeiten im Leben aufregen? Warum nicht immer die Ruhe bewahren?

Ich erinnere mich an einen Schüler Yoganandas in Indien, der ein sehr einfacher, stiller und hingebungsvoller Mann war. Auf alles was man zu ihm sagte, antwortete er: “Guru, Guru.” Es war sehr inspirierend. Ich hörte, daß er in seinen letzten Jahren levitierte.

Solch spirituelles Bewußtsein erreicht man nicht, indem man sich auf Geschwätz und Unwichtiges konzentriert. Interessiert euch nicht für Klatsch und Kleinigkeiten, die euch nicht berühren. Versucht, großzügiger und ruhiger zu werden. Wir müssen die kleinen Dinge hinter uns lassen. Die einzige Verantwortung, die uns das Universum auferlegt hat, ist uns zu ändern und die Wahrheit in unserem Leben zu finden. Wenn wir dies verstehen, können wir das ganze Leben verstehen, das ganze Universum. Alles kann man auf diese Weise verstehen. So wie der Dichter William Blake sagte: “Die Unendlichkeit kann in einem Sandkorn gefunden werden und die Ewigkeit in einer Sanduhr.” Wir können die Ewigkeit in einem Augenblick finden.

Ich glaube, daß wir am Beginn einer sehr schwierigen Zeit stehen. Aber wenn ihr mit Gott seid, dann werdet ihr sehen, daß euch nichts berühren wird: ihr werdet immer den inneren Frieden behalten. Die Welt ist so, wie wir sie machen - warum also nicht eine schöne Welt schaffen? Wenn nur wenige dies machen würden, wäre die Welt verändert. Es ist das Beste, das wir für die Welt tun können.

Wo immer ihr lebt, versucht Gott mehr an euren Gedanken und eurer Seele teilhaben zu lassen. Sagt nicht: “Ich bin kein Heiliger, ich habe nicht das Recht und die Macht, andere zu segnen.” Nein, ihr müßt andere segnen. Ihr müßt auch für andere meditieren.

Diejenigen von euch, die sich klein fühlen - ihr seid nicht klein, ihr seid das größte Mysterium des Universums! Jede Person hat die Fähigkeit zu dienen, so wie die Engel, wenn ihr euch Gottes Gegenwart bewußt seid und wenn ihr es tun wollt.

Wenn ihr auf der Autobahn fahrt oder einkaufen geht, versucht ganz bewußt, die anderen Menschen zu segnen. Ihr werdet viele traurige Gesichter sehen, aber versucht, diejenigen zu segnen, bei denen ihr seht, daß sie leiden, unglücklich sind oder Mut brauchen. Sendet ihnen euren Frieden. Ihr werdet sehen, daß diese Segen eine neue Realität schaffen können.

Je mehr ihr euch in Gott verankert fühlt, desto weniger kommt es darauf an, ob ihr die Leute um euch herum kennt und ob ihr mit ihnen redet, oder nicht. Die Tatsache ist, je mehr ihr bewußt in Gottes Gegenwart lebt, desto mehr werden sich die Menschen um euch herum verwandelt fühlen. Ich habe dies viele Male in meinem Leben gesehen, im Leben von anderen und vor allem im Leben von Yogananda. Wo immer er ging, haben ihn die Leute wie einen alten Freund behandelt.

Lasse Gott in dein Leben hinein

Es beginnt damit, daß man Gott in sein Leben hineinläßt. Je mehr du dich Gott öffnest, desto mehr wirst du - was immer auch passiert - von Freude erfüllt sein, von so viel Freude, daß du manchmal gar nicht weißt, wie sie in dir Platz haben soll!

Aber es beginnt mit diesem kleinen Experiment. Ich schlage euch also vor, in diesem Jahr ein spiritueller Wissenschaftler zu sein. Ihr braucht etwa ein bis zwei Minuten zum Zähneputzen, fünf bis zehn Minuten zum Duschen; warum also nicht fünf Minuten pro Tag, um an Gott zu denken? Teilt mit Ihm jedes Gefühl, jeden Gedanken. Ja, es kann schwierig werden nach fünf Minuten, aber Schritt für Schritt werdet ihr sehen, daß es eine

Gewohnheit wird. Ihr werdet sehen, daß ihr allmählich in ständiger Konversation mit Gott sein werdet.

Wenn ihr nächstes Jahr nach Ananda zurückkehrt, will ich das sehen, was ich jetzt schon sehe, eure Spiritualität. Ihr seid bereits spirituell, sonst wärt ihr nicht hier, aber nächstes Jahr will ich Engel sehen. Warum nicht? Jeder von euch kann es tun, denn jeder ist ein Strahl göttlichen Lichts. Ihr seid alle Teil Gottes und wenn ihr im Spiegel etwas anderes seht, dann solltet ihr vielleicht besser nicht hineinschauen, denn ihr wißt, daß ihr nicht das seid, was euch der Spiegel zeigt.

Lebt mehr von innen heraus und nicht von außen herein. Haltet euch nicht zu sehr an die Reaktionen der anderen, sie sind nicht wichtig. Normalerweise sind die Meinungen der anderen

sowieso falsch. Versucht an erster Stelle, euer inneres Bewußtsein zu befriedigen, die Stimme Gottes in euch. Und vergleicht nicht, Gott sagt vielleicht eine Sache durch euch und eine andere durch jemand anderes.

Gott ist unendlich: Er hat viele Stimmen und Er hat viele Instrumente. Jeder von uns ist ein Musikinstrument: jeder von uns muß sein eigenes Lied singen. Auf diese Weise kann Gott wunderbare Dinge durch uns vollbringen. Was Gott letztendlich will, ist Sich in uns zu vergnügen. Das ist Gottes Plan: Gib Ihm diese Gelegenheit. Und in diesem Sinne wünsche ich euch nun ein wunderschönes Jahr.


 
  
 
  

 

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