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Entspannung lernen
Aus Meditation for Starters (Meditation für Anfänger) von Swami Kriyananda
Die beste Art, den Körper zu entspannen, ist, ihn erst einmal anzuspannen, wobei der Fluss der Anspannung im ganzen Körper gleichmäßig ausgebreitet wird. Mit der Entspannung werden danach sogar die Anspannungen gelöst, von denen du nicht einmal wusstest, dass sie existierten.
Diese Methode funktioniert auch bei emotionaler Anspannung. Häufig gelingt die emotionale Auflösung, nachdem die Emotion das Maximum an Intensität erreicht hat. Vorher mag die Emotion noch nicht klar genug definiert gewesen sein, um sie in ihrer Art vollständig zu begreifen.
Psychologische Schwächen können auch nur schwierig angegangen werden, solange sie in einem 1-PS-Niedrigantrieb im Geist schlummern. Eine Person kann recht unauffällig bleiben, bis bei verbesserter Gesundheit und erfrischter Energie ein gemeiner Charakterzug zum Vorschein kommt, der schon immer in ihr schlummerte.
Spirituelle Prüfungen und Widrigkeiten sind in dem Sinne ein Segen, dass sie unsere Schwächen unter Druck setzen, womit unser Gewahrsein über sie geschärft wird. Die ruhige Akzeptanz, die mit dem Bestehen einer Prüfung einhergeht, ist oft auch mit der Auflösung dieser Schwäche verbunden.
So ist es für physische Entspannung wie für tiefe Meditation nötig, erst den ganzen Körper anzuspannen, dann zu entspannen.
Zu Anfang schöpfe einige langsame, tiefe Atemzüge, um den Blutstrom von übermäßigem Kohlendioxid zu befreien. Wenn es die Zeit erlaubt, übe Folgendes:
1) Atme ein, während du im Geist bis 12 zählst.
2) Halte den Atem an, während du bis 12 zählst.
3) Atme aus, während du bis 12 zählst.
Wiederhole dies 6- bis 12-mal. Dann atme tief ein und spanne den ganzen Körper an, nicht plötzlich, sondern allmählich: niedrig, mittel, hoch. Spanne so stark an, dass der Körper vibriert. Dann stoße den Atem aus und lasse alle Anspannungen im Körper los. wiederhole dies noch ein- oder zweimal.
Von nun an ist es wichtig, dass du den Körper unbeweglich hältst. Vielleicht findest du das anfangs schwierig, weil du es gewohnt bist, dich ständig zu bewegen. In dem Moment, wo du dich entschließt, still zu sitzen, merkst du vielleicht, wie du hin- und herrutschen willst! Doch je länger du den Körper ganz still halten kannst, desto leichter wird dir das danach auch gelingen. Deine körperliche Unruhe wird nach etwa 5 Minuten verschwinden. Und schon wirst du das Gefühl der Freiheit vom Körperbewusstsein genießen.
Wisse, dass Verhaftung an die Muskeln bedeutet, dass du Sklave des Körpers bist. Wirf den Körper im Geiste ab und verweile in der Vorstellung des Raumes.
Visualisiere, wie du vom Raum umgeben bist—Raum überall um dich herum; Der Raum beginnt langsam, wie Dampf aus reinem Licht durch Haut und Poren in den Körper einzudringen; Raum durchdringt deinen Körper und bringt dir totale Entspannung.
Im Geiste überprüfe hin und wieder, um sicher zu gehen, dass der Körper immernoch ganz entspannt ist. Wenn du irgendeine Verspannung bemerkst, dann konzentriere dich ganz besonders dort und visualisiere in diesem Bereich Raum oder reines Licht. Und sollte sich der Körper insgesamt verspannen, dann atme wieder ein, spanne den ganzen Körper an, stosse den Atem aus und entspanne dich wieder.
Auch psychische Entspannung ist wichtig. Tiefe Meditation kann dir nicht gelingen — ist tatsächlich ganz unmöglich —, wenn du geistig verspannt bist. Hauptgründe psychischer Verspannung sind Gefühle von Feindseligkeit und Konkurrenzdenken und der Wunsch, irgendwie die Kontrolle über andere Menschen oder objektive Gegebenheiten zu haben.
Bringe deine Aufmerksamkeit zwecks geistiger Entspannung zum Herzen. Stelle dir dort ein reines, weißes Licht vor. Visualisiere, wie dieses Licht sich in Strahlen voller Liebe und Harmonie in die Welt um dich herum ausbreitet. Das Herz stellt das Zentrum emotionaler Gefühle dar. Wenn die Emotionen großmütig und ruhig gehalten werden, dann entfalten sie sich zu Intuition und bringen dir Weite und innere Freiheit. Wenn sie jedoch selbstsüchtig und aufgewühlt sind, dann führen sie nur zu Verwirrung und dem Gefühl innerer Verfangenheit.
Die meisten Leute bringt der vom Herzen nach außen gehende Energiefluss dazu, dass sie in Dinge, Situationen und das Leben anderer verwickelt werden. Solche Menschen sind von Begierden und Aversionen erfüllt: Entweder klammern sie sich an andere Strahlen von Energie, um von ihnen besessen zu werden, oder kämpfen gegen sie an, in der Hoffnung, sie zu unterdrücken oder überwältigen zu können.
Statt dessen stelle dir in deinem Herzen ein freundlich gestimmtes Licht vor. Sende dieses Licht als Segen für alle aus. Im Geiste segne jeden in deiner Nähe; sende dann von deinem Herz Segen zu den Menschen in allen Ländern, überall hin aus. Sende Strahlen der Liebe zu allen Kreaturen, zu allen Dingen. Segne die Felsen, die Wüsten, die weiten Ozeane und die hohen Berge. Umhülle die ganze Welt mit einer Aura von Licht, Liebe und Freude – für alles, was lebt. Alle Wesen, alle Dinge manifestieren in unterschiedlichem Maß Bewusstsein. Sie alle sind Teil des selben ewigen Lebens, das dich erfüllt.
Du selber fühlst dich gesegnet und erfüllt von innerem Frieden, je mehr du dich in Dienst als Kanal für Frieden und Segnungen für alle hingibst.
Ruhe
Ruhe erreicht dann ihre Vollendung, wenn die kleine Lebenswelle im kosmischen Meer, in göttlicher Ekstase aufgeht. Auch im täglichen Leben können wir Ruhe bis zu einem gewissen Grade erlangen, wenn wir unsere Wahrnehmung auf die Realität des Geistes konzentrieren, die allen äußeren Gegebenheiten zu Grunde liegt.
Ruhe kommt mit dem Entschluss, immer glücklich im gegenwärtigen Moment zu leben, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, sich nicht um die Zukunft zu sorgen, sondern sein Leben fest in Gottes Hände zu legen und zu wissen, dass Er alles lenkt. Ruhe kommt mit Nichtverhaftung, mit der Erkentnis, dass nichts auf dieser Welt uns wirklich gehört.
— Aus Affirmations for Self-Healing, von Swami Kriyananda
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