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Die Religion der Zukunft

Auszug aus Religion in the New Age
von Swami Kriyananda

Religion bekommt heutzutage nicht mehr die hohe Achtung, die ihr einst zuteil wurde. Der Grund hierfür ist nicht schwer zu finden. In der ganzen Welt hat sich Religion mit Verhalten identifiziert, das die Menschen immer mehr hinter sich lassen auf dem Weg in ein neues Zeitalter das weniger Form-gebunden und Form-bewusst ist; ein Zeitalter der Energie.

Religion definiert sich traditioneller Weise durch ihren Glauben, und nicht durch die lebendige Erfahrung inneren Friedens und der Nähe zu Gott, welche den Menschen als liebevolles Versprechen in den großen Schriften beschrieben wird. Religion hat sich auf die äußeren Formen der Anbetung konzentriert, zum Nachteil des inneren Geistes, den diese Formen ausdrücken sollten.

Religion, in ihrem höchsten Aspekt, ist Gottes Geschenk an die Menschheit. Für die Menschen ist es besonders wichtig, von Gott durch Zeiten großer Veränderung geführt zu werden. Mit dieser Mission kamen große spirituelle Lehrer in kritischen Zeiten der Menschheitsgeschichte auf die Erde. Ihre Geburt kam gelegen, aber sie war gleichzeitig bestimmt. Buddha, Krishna und Shankaracharya im Osten, Jesus Christus im Westen; sie waren kein Unfall der Geschichte.

Das wichtigste für die Religion ist, zu erkennen, dass wir in einem Energiezeitalter leben. Die Religion muss akzeptieren, dass Energie keine vorübergehende Modeerscheinung ist, sondern einfach eine gegebene Tatsache. Wenn wir noch tiefer bohren, müssen wir akzeptieren, dass Energie die Wirklichkeit und dass Materie Illusion ist. Energie ist die Welle oder Schwingung, von der Materie einfach nur eine Erscheinung ist. Anders ausgedrückt ist Energie nicht das Produkt von Materie, sondern deren Ursprung.

Was bedeutet dies alles für die Religion? Die Kraft der Religion liegt nicht in den äußeren Formen, nicht in Zeremonien, Dogmen oder Institutionen. Die Kraft liegt in dem innewohnenden Geist, der sich durch diese Formen einfach nur manifestiert. Die Wahrheit brachte uns die Religion. Es war niemals so, dass Religion Wahrheit geschaffen hat.

Der menschliche Geist stürbe, würde er jedes Streben nach hohen Idealen verlieren. Er würde sich selbst zu Apathie und Verfall verurteilen. Da der menschliche Geist nicht ohne Religion leben kann, muss die Menschheit Wege finden, mit ihr zu leben. Und dies sollte nicht ein Ablehnen mit sich bringen, sondern ein Erforschen und Aussöhnen mit den Unterschieden zwischen alten dogmatischen Annahmen und neuen wissenschaftlichen Entdeckungen.

Die tiefsten Wahrheiten der Religion sind alle recht einfach. Sie wurden von den äußeren Strukturen der Religion verdunkelt, welche immer komplexer wurden in ihrem Kampf gegen eine Vielzahl von Herausforderungen, und schufen dabei Verwirrung und Trennung, nicht Klarheit. Von allen Institutionen der Menschheit, sollte Religion diejenige sein, die am meisten Einheit schafft. Und trotzdem kämpfen die Menschen, verfolgen einander und ziehen aufgrund religiöser Unterschiede in den Krieg; all dies im Namen Gottes, von dem alle behaupten, dass er ein Gott der Liebe sei.

Es ist wieder an der Zeit, dass die Menschen ihre innere Beziehung zu ihrem Schöpfer erforschen. Jesus Christus sagte: „Siehe, das Königreich Gottes ist in dir.” Das wahre Ziel jeder Pilgerreise, so steht es in den indischen Schriften, liegt im Inneren. Worauf es in der Religion ankommt, ist folglich kein äußerer Platz der Anbetung, keine äußeren Rituale, auch kein spezielles Glaubenssystem, sondern eine eigene, persönliche, tatsächliche, innere Erfahrung Gottes und der Wahrheit.

Die Betonung im Dwapara Yuga wird sich verlagern von einer quantitativen Annäherungsweise zu einer qualitativen. Diese Wandlung zur Einfachheit hin, zur Betonung der Bedürfnisse des inneren Menschen über die Forderungen der Kirche und des Staates hinaus und schließlich die Wandlung von quantitativen zu qualitativen Entscheidungen, wird eine wachsende Nachfrage danach hervorrufen, dass Religion sich mit der Wissenschaft trifft, mit eigenen Methoden um die Wahrheit zu testen und zu erfahren.

Was wir brauchen, sind Methoden, um den Geist zu beruhigen und zu konzentrieren. Meditation kann in diesem Fall verglichen werden mit einem wissenschaftlichen Labor. Meditation hilft einem, den Grad mentaler Klarheit zu erreichen, den wir für diese Art der Forschung brauchen. Die Wahrheit kann nicht erfahren werden, solange der Geist unruhig ist und solange unsere Aufmerksamkeit nach außen in die Sinne fließt.

Da Yoga nicht nur mit geistigen und körperlichen Techniken zur Selbst-Entwicklung arbeitet, sondern auch mit einer direkten Kontrolle der inneren Energie (Pranayama oder Energie-Kontrolle), wird es anerkannt werden als eine tatsächliche Wissenschaft der Religion. Übungen der Yoga Meditation werden als Mittel genutzt werden, um die Behauptungen der Religionen zu testen, indem die Menschen lernen, mit ihrem

eigenen Überbewusstsein in Kontakt zu treten und ihr Leben durch die Intuition der Seele lenken zu lassen.

Die Religion des New Age wird mehr nach innen als nach außen gerichtet sein. Das Ziel dieser inneren Suche ist nicht, das Ego zu stärken, sondern das individuelle Selbst-Bewusstsein zurück zu führen zu seiner Quelle im Unendlichen Bewusstsein. Da die Aufmerksamkeit des Egos normalerweise nach außen gerichtet ist, und in die Welt um es herum, definifiert es sich durch oberflächliche Identifizierungen. Das Klammern des Egos am menschlichen Bewusstsein kann nur gelockert werden, indem wir uns mit einem höheren Bewusstsein in Kontakt bringen. Wenn wir klar verstehen wollen, wer und was wir sind, müssen wir nach innen gehen und eine tiefere Verbindung mit der Welt um uns herum erforschen.

Die Religion der Zukunft wird eine Religion der Selbst-Verwirklichung sein. Sie wird in dem Erkennen bestehen, dass unsere tiefste Wirklichkeit die unendliche Liebe und Freude Gottes ist, und dass Gott unser wahres Selbst ist. Denn so wie Materie Energie ist, ist Energie einfach nur eine Manifestation von Gedanken, Gedanken wiederum eine Manifestation von Bewusstsein, und Bewusstsein in seiner letzten Verfeinerung ist nichts anderes als das Göttliche, aus dem alle Dinge, alle Wesen und wir selbst geschaffen wurden.


 
  
 
  

 

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