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Arbeite mit Gott

Auszug aus Swami Kriyanandas noch in Arbeit befindlichem Buch, Das Versprechen der Unsterblichkeit in der Bibel und der Bhagavad-Gita

Für jemanden, der ernsthaft Gott sucht, liegt die wesentliche Aufgabe darin, ein ständig zunehmendes Gewahrsein der Gegenwart Gottes zu entwickeln - nicht nur während der Meditation, sondern in jeglicher Aktivität. Was am meisten zählt, ist die Absicht, die hinter einer Handlung steht.

Im Lukas-Evangelium sehen wir, dass Jesus Martha zurechtwies, weil sie zu sehr in ihrer Arbeit zentriert war, anstatt in Gott. Ihre Schwester Maria hatte still zu seinen Füßen gesessen. "Eins aber ist notwendig", sagte er, "und Maria hat das gute Teil erwählt, das soll nicht von ihr genommen werden."

In der Geschichte von Martha und Maria schalt Jesus nicht das, was Martha tat, sondern das Bewusstsein, in dem sie es tat. Marias besserer Teil lag in ihrer stillen Einstimmung auf Christus und nicht in der Tatsache, dass sie vor ihm saß, anstatt in der Küche zu arbeiten.

Während es richtig und gut ist, für Gott zu arbeiten und Ihm alles, was wir tun, darzubringen, werden wir, je mehr wir während unserer Arbeit in göttlicher Einstimmung sind, umso näher durch diese zu Gott gezogen. Meditation ist ebenso notwendig. Mentale Störungen während unserer Arbeit für Gott, bringen uns keinen inneren Frieden, der allein unsere Seele auf höhere Bewusstseinsebenen emporheben kann.

Handlungen, die aus einem Zentrum tiefer, innerer Stille erfolgen, erzielen selbst in der äußeren Welt besseren Erfolg als Handlungen, die nur um ihrer selbst willen ausgefürt werden. Dieser Punkt ist von enorm praktischem Wert. Denn die Menschen meinen, ganz wie Martha, dass man, wenn man eine Arbeit gut machen will, ganz von ihr vereinnahmt sein muss. Nur wenige verstehen, dass alles, was sie tun, eine äußere Manifestation ihres Bewusstseins ist.

Der Pfad der rechten Handlung

Wir müssen verstehen, dass Marthas Dienen in keinem Fall an sich falsch war. Es war lediglich, in Anbetracht ihres sprituellen Potentials, unzulänglich. Jesus scholt sie aufgrund dieses Potentials. Sie hätte größeren Segen empfangen, wenn sie ihm mit innerem Frieden gedient hätte. Selbst wenn sie bei ihrer Arbeit den inneren Frieden verloren hätte, aber weiterhin an Gott gedacht hätte, wäre Jesus in der Lage gewesen, sie allmählich näher zum göttlichen Bewusstsein zu ziehen. Was er meinte, war: "Sei mehr Gott-bewusst; erkenne Seine Gegenwart in allem, was du tust." Sein Lob an Maria galt ihrer Zentriertheit in Gott.

Das Geheimnis wahren Glücklichseins

Im dritten Kapitel der Bhagavad-Gita sagt Krishna: "Allein durch den Pfad der rechten Handlung erlangten Janaka und andere die Vollkommenheit". Janaka war ein Heiliger und König im alten Indien, der die Vereinigung mit Gott durch seine innere spirituelle Konzentration inmitten intensiver äußerer Aktivität erlangte. Er war ein Beispiel an vollkommener Ausgeglichenheit zwischen dem inneren und äußeren Leben und zeigte dadurch, dass Arbeit, die für Gott getan wird, die Seele befreit, wenn sie sowohl aufmerksam als auch mit Liebe für Gott ausgeführt wird.

Janaka wurde bereits mit spiritueller Größe geboren. Ein weniger entwickelter Mensch hätte Vollkommenheit nicht allein durch Arbeiten erlangt. Meditation ist für die meisten Menschen notwendig als ein Mittel, um sich in ihrem höheren Selbst zu zentrieren. Aber ebenso ist äußere Aktivität für Gott nötig. Jemand, der ausschließlich meditiert, schwebt, solange er es nicht überbewusst tut, in Gefahr, in einen Morast von Trägheit zu versinken. Äußere Aktivität hilft, indem sie den meditativen Frieden in einen Zustand dynamischer, innerer Ruhe emporhebt.

Jesus sagte jedoch, dass von den zwei Aktivitäten die innere Kommunion, jener gute Teil, den Maria lebte, die wichtigere sei. Denn je mehr wir still sind und in unserem Zentrum ruhen, desto mehr werden wir in allem, was wir angehen, Erfolg haben. Die Bhagavad-Gita erläutert im zweiten Kapitel, Vers 56: "Derjenige, der in Zeiten des Leids nicht von Besorgnis erschüttert ist, noch hoch erfreut in Zeiten des Glücks; der frei ist von egoistischen Wünschen und der damit einhergehenden Angst und Wut: Solch einer ist von beständiger Unterscheidungskraft."

Weltliche Menschen werden unentwegt hoch- und niedergeworfen auf den auf- und absteigenden Wellen von Vergnügen und Schmerz, Erfog und Misserfolg, Glück und Leid, Erfüllung und Enttäuschung. Die Bhagavad-Gita lehrt, dass das Geheimnis wahren Glücklichseins die innere Ruhe ist: Nicht der täuschende Frieden erschöpfter Emotionen, sondern die tiefe Ruhe, die man erreicht, sobald man seine Emotionen transzendiert hat.

Nichtverhaftung

Nichtverhaftung impliziert nicht Gleichgültigkeit; noch impliziert Ruhe Distanziertheit. Vielmehr erlauben beide Qualitäten den Menschen, ihr Bewusstsein zu erweitern. Diese Erweiterung kann mit einem Fluss verglichen werden, der in ein weites Meer einströmt, dessen Tiefe nicht von den Bewegungen der Meeresoberfläche beinflusst wird. Die Nichtverhaftung, auf die die Gita in diesem Abschnitt hinweist, und die ruhige Verinnerlichung, die Jesus an Maria lobte, sollten nicht mit Apathie verwechselt werden. Dies ist die allgemein verbreitete, aber irreführende, Karikatur des Stoikers. Wahre Nichtverhaftung erreicht man nicht, indem man seine Sensibilität abstumpft, sondern nur, indem man sein Bewusstsein des höheren Selbst vertieft. Vollkommene Selbst-Verwirklichung ist die Frucht täglicher, tiefer Meditation. Mit der Selbst-Erweiterung entsteht eine universelle Identität, die die alles trennende Täuschung des Ego-Bewusstseins ersetzt.

In der Stille der inneren Kommunion erhebt sich die Seele über die Identifikation mit der kleinlichen, menschlichen Natur und ihren turbulenten Leidenschaften, um durch strahlendes Licht in unendliche Freiheit und ewigen Frieden zu schweben.


 
  
 
  

 

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