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Der Unterschied zwischen dem Guru und einem Lehrer
von Paramhansa Yogananda, Inner Culture, 1936
 Die
Beziehung zwischen einem Guru und seinem Schüler stellt den einzig
wahren Weg für die Seele dar, um ihre Schritte zu Gott zurückzuverfolgen.
Zu Beginn ist es ratsam, verschiedene spirituelle Pfade und Lehrer zu
vergleichen. Aber wenn man schließlich den wahren Guru und die wahre
Lehre gefunden hat, muß die Suche aufhören. Der Durstige sollte
nicht weiter nach Quellen suchen, sondern zur besten Quelle gehen, um
täglich von ihrem Nektar zu trinken. Das ist der Grund weshalb wir
in Indien anfangs viele Wege ausprobieren, bis wir den wirklichen Meister
gefunden haben, dem wir dann durch Tod und Ewigkeit, bis zur letzten Erlösung,
treu bleiben. Wir können zunächst viele Lehrer haben, aber nur
einen Guru und keine Lehrer danach.
Lehrer bezeichnen diejenigen, die von ihnen lernen, Schüler. Aber
ein Guru nennt den spirituell Strebenden, der zu ihm kommt, seinen Jünger.
Jesus selbst sagte: Niemand kommt zum Vater ausser durch Mich.
Das bedeutet, daß menschliche Seelen meist irrende Kinder Gottes
sind, die in der Wildnis des Schmerzes fern von Ihm unherwandern. Solche
Seelen werden angetrieben von der Geißel des Leidens, um einen schwachen
Schimmer des von ihrem mit Spiritualität gesegneten verlorenen Zuhause
zu erhaschen. Sie beginnen sich nach Gott zu sehnen und beten innerlich
für einen Weg aus dem Rätsel des Lebens heraus. Wenn die Gebete
solch umherirrender Kinder tief und stark genug sind, wird Gott berührt
und sendet seine Hilfe. Dann wird der einzig wahre Vater einen Superman
auf die Erde senden, um den suchenden Seelen zu helfen. Solch ein Mensch,
der von Gott bestimmt ist, dem Menschen als Antwort auf innige Gebeten
zu helfen, ist kein normaler Lehrer, sondern ein Guru bzw. ein Vermittler,
dessen Körper, Sprache, Geist und Spiritualität Gott benutzt,
um die verlorenen Seelen in das Reich der Unsterblichkeit zurückzubringen.
Dadurch, dass unsere Wünsche, die Wahrheit kennenzulernen, anfangs
noch unklar sind, begegnen wir zu Beginn nur kleineren Lehrern. Aber der
Guru ist die lebende Verkörperung der Heiligen Schriften und die
von Gott wirkende und ernannte Kraft der Erlösung, die auf die Bedürfnisse
des Devotees antwortet und ihn von der Knechtschaft der Materie befreit.
Es ist sehr schwierig, den richtigen Weg unter den vielen religiösen
Pfaden und unterschiedlichen religiösen Gesinnungen zu finden. Die
meisten Menschen, die von Kirche zu Kirche wandern, um intellektuelle
Inspiration zu suchen, werden Gott niemals finden, denn intellektuelle
Inspiration ist nur solange notwendig, bis man beginnt, Gott zu trinken
[innerlich aufzunehmen und zu erfahren]. Ansonsten ist intellektuelle
Inspiration (wenn sie vergisst Gott zu schmecken) schädlich
für die Selbstverwirklichung.
Es ist leichter, einem lebenden, atmenden und sprechenden Menschen (der
die Wahrheit lebt) zu folgen, als leblosen, stummen Schriften. Wenn ein
Heiliger sein Ziel erreicht hat, sei es durch den kürzeren Yogaweg
oder durch den längeren spirituellen Gebetsweg, erfährt er tatsächliche
Selbstverwirklichung. Jeder der ihm folgt, wird mit Sicherheit das Ziel
erreichen, egal mit welcher Methode. Anders als einfache Gebete, können
nur wahre Gebete die bewußte Antwort von Gott empfangen, die in
intensiver Meditation ständig über viele Stunden gesprochen
werden müssen, bis die göttliche Antwort kommt.
Normalerweise gibt es ein augenblickliches Wiedererkennen zwischen Guru
und Jünger. Manchmal dauert es jedoch lange, bis man sich bewußt
an die vergangene enge Freundschaft erinnert, oder an die vergessene Erinnerung
früherer Inkarnationen, die lange unter den Aschehaufen der Unwissenheit
verborgen blieb.
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